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Beischlaf im Stau

Donnerstag, Juli 3rd, 2008

Ja moin, herrliches Wetter, was? So herrlich, dass ich es gestern gewagt habe, ein neues Lenkrad einzubauen. Raus sollte ein eingetragenes 32Riad mit Kitsch-Airbrush, das bei langer Betrachtung zu irreparablen Geschmacksverirrungen führt, die sich durch laute und spontane „Bacardi Rum“-Schreie vor allem bei geöffnetem Wagenfenster unangenehm bemerkbar machen. Rein sollte ein bei ebay erstandenes 36er Momo-Lenkrad. Zwar steh ich nicht auf LKW-Feeling, möchte es aber meiner ErstBesserenHälfte ermöglichen, während der Fahrt auf den Tachometer zu schauen, ohne sich den Hals zu verrenken oder unterm Lenkrad durchzukriechen – das dann erhebliche Schwierigkeiten beim Versuch, in den Rückspiegel zu schauen verursacht. Also Anleitung (die ich im BMW-Forum von freundlichen Zeitgenossen bekam) ausgedruckt, raus zum Auto und los gehts!

19:00 Batterie abgeklemmt – stand in der Bedienungsanleitung von MOMO. Da ich schon gewarnt wurde, dass ich mir das Lenkrad beim Abziehen in die Kauleiste rammen kann, wollte ich keine weiteren Risiken eines Stromschlags beim Versuch, das Hupkabel per Gebiss abzuisolieren riskieren.

19:10 Hupknopf vorsichtig entfernt. Problemlos geschafft. Vor lauter Stolz erstmal eine geraucht.

19:15 Beim Rauchen Schraube entdeckt. Zündschlüssel abgezogen, Lenkradverriegelung einrasten lassen und versucht, Schraube mit Knarre zu lösen.

19:30 Beschlossen, demnächst mal wieder Krafttraining zu machen.

19:40 Nassgeschwitzt ins Haus gerannt, noch mal nachgeprüft, wie rum ne Schraube aufzugehen hat. Bemerkt, dass richtigrum versucht. Fitness-Center-Werbung aus dem Papierkorb hervorgeholt und in die Ablage „Dringend“ gelegt.

19:45 Auf die Idee gekommen, den Kreuzschlüssel zu benutzen, mit dem man die Räder wechselt. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Gezogen wie Ochse.

19:50 Eine geraucht. Darüber sinniert, zu welcher Automarke ich wechsle, wenn die Lenkradstange oder sonst was abbricht.

19:55 Schraube gelöst. Laut geschrien vor Freude. Nachbarn an den Fenstern zugewinkt.

20:00 Am Lenkrad gerüttelt. Bemerkt, da tut sich nix. Überlegt. Eine geraucht. Lenkradschloss gelöst. Lenkrad bewegt. Schraube ganz gelöst. Lenkrad abgezogen. Intakte Kauleiste stolz im Rückspiegel betrachtet. Eine geraucht.

20:10 Neues Lenkrad auf die Lenkradstange gefummelt. Passt sogar! Schraube wieder draufgemacht, festgezogen und darüber sinniert, was man macht, wenn man auf der Landstrasse auf einmal bemerkt, dass man das Lenkrad lose in der Hand hält. Entschlossen, mir zu Weihnachten einen Drehmomentschlüssel zu wünschen. Bemerkt, dass es noch fester zuzuschrauben geht, wenn Lenkradschloss wieder drin.

20:20 Lenkrad fest. Vor Stolz gleich noch eine geraucht. Probeweise dran gedreht und bemerkt, dass sich die Vorderräder mitdrehen. Yeah, so soll es sein!

20:23 Gewundert, dass Tacho jetzt noch weniger sichtbar und Blinkerleuchte gar nicht mehr sichtbar bei normaler Sitzposition. Fahrersitz auf Stellung „Beischlaf im Stau“ gestellt und Problem erst mal gelöst.

20:30 Batterie wieder angeschlossen. Dabei schönen Funken erzeugt. Na ja, kommt ja schließlich Strom raus, wird schon stimmen.

20:31 Alarmanlage geht an. Hupe tönt aus vollem Rohr, alle Blinker leuchten. Nachbarn grinsen. Ich grinse auch, denn: Das Ding ging seit ich den Wagen habe noch nie! Gewundert, was die Alarmanlage mit dem Lenkrad zu tun hat. Überlegt, wie Alarmanlage auszustellen ist. Dran erinnert, dass ich beim Kauf einen Handgeber am Schlüsselbund hatte, der aber nicht funktionierte. Ins Haus gerannt, Handgeber gesucht und Alarmanlage laufen lassen (Batterie wieder abklemmen wollt ich nicht riskieren, nach dem Motto: Never touch a running system.) Handgeber gefunden, draufgedrückt, Alarmanlage aus. Dafür Nachbarn an. Egal. Gemerkt, dass auch die Zentralverriegelung mit dem Handgeber funktioniert. Ins Haus gerannt, schlafende Frau geweckt, zum Fenster gezerrt, Handgeber demonstriert. Kuss bekommen.

20:45 Werkzeug wieder verstaut. Auto abgeschlossen (mit Handgeber). Auto aufgeschlossen (mit Handgeber). Auto abgeschlossen (mit Handgeber). Auto aufgeschlossen (mit Handgeber)…

21:00 Reingesetzt und Probefahrt um den Block gemacht. Bemerkt, dass Lenkrad auf 13-Uhr-Stellung wenn geradeausfahrt. Überlege, heute Abend Stellung zu korrigieren und vorher zu beten, dass Alarmanlage auch bei korrekter Lenkradstellung noch funktioniert. Bemerkt, dass Lenkradstellung scheiße bzw. schwierig in Sitzeinstellung „Beischlaf“ zu fahren ist. Entschlossen, entweder Excenter zu besorgen oder Original BMW-Lenkrad.

Aber alles nicht so schlimm. Ich liebe das Auto jeden Tag mehr, weil immer mehr funktioniert. Die Nachbarn mich offensichtlich auch – was sich da unten auf der Straße abspielt, scheint besser als das Prime-Time-TV-Programm zu sein. Aber who cares – ich hab auch meinen Spaß. Und ihr beim Lesen hoffentlich auch.

Alarm im Lenkrad

Freitag, Juni 20th, 2008

Tja, ich muss Euch enttäuschen. Heute ist mein M-Tech II gekommen und ich bin dann noch mal „eben raus um schnell das Lenkrad zu wechseln“. Keine Ahnung, warum meine ErstBesteHälfte daraufhin ein Lachen mit Mühe unterdrückte, das Essen kalt stellte und schnell noch fünf mal die ZV-Fernbedienung betätigte, anschließend winkte und seufzend ins Wohnzimmer ging. Ging diesmal aber relativ schnell. Schon fast wie’n Profi:

19:00 Batterie abgeklemmt

19:02 Zündschlüssel ab, Lenkradschloss rein, Hupknopf vom Momo-Lenkrad ab, Knarre rein, Schraube gelockert, am Lenkrad gerüttelt (Kauleistenschutz!), Schraube ganz gelöst, Lenkradschloss gelöst, Lenkrad abgezogen.

19:05 Neues Lenkrad drauf. Schraube leicht draufgemacht. Versucht Auto anzumachen, um zu sehen, ob geradeaus fährt wenn Lenkrad geradeaus zeigt (ist am praktischsten so)

19:07 Daran erinnert, dass Batterie abgeklemmt und ohne Batterie nix losfahren

19:10 Batterie angeklemmt. Funken angeguckt. Alarmanlage ausgelöst. Mit Handgeber abgestellt. Bzw. versucht – keine Reaktion. Handgeber gedrückt wie n Funker im U-Boot das Morseteil. Nix.

19:12 Nachbarn freundlich zugewinkt. Batterie abgeklemmt. Batterie wieder angeklemmt. Alarmanlage ausgelöst. Handgeber betätigt, Alarm aus. Gewundert, eine geraucht und beschlossen, zu Weihnachten „Der kleine Elektroniker“-Baukasten zu wünschen.

19:14 Ins Auto gesetzt, angemacht, bisschen vorwärts und rückwärts gefahren und Gefühl bekommen, Lenkrad ist grade. Gefreut. Eine geraucht.

19:20 Lenkradschloss rein, Schraube fest, Prallschutz drauf. Im Kofferraum Abdeckung auf die Batterie, Krimskramsbox auf die Batterie, Kofferraumdeckel zu.

19:22 Ins Auto gesetzt, Zündschlüssen rein, gedreht, am Amaturenbrett blinken kurz Lichter, dann Totenstille. Nix passiert. Zündung an, Zündung aus – kein Lebenszeichen. Überlegt. Eine geraucht.

19:25 Kofferraum auf, Krimskramsbox raus, Batterie-Abdeckung ab, Batterie abgeklemmt, angeklemmt. Auto gestartet – kein Problem. Alarmanlage betätigt – kein Lebenszeichen. War ja klar, alles gleichzeitig kann wohl nicht funktionieren.

19:26 Batterie angeklemmt, abgeklemmt, angeklemmt, abgeklemmt, draufgehauen, rumgerüttelt, Alarmanlage wieder aktiviert, über das Hupen gefreut, den Nachbarn zugewinkt.

19:30 Vorsichtig alles zugebaut. Kofferaum zu. ZV funktioniert, Alarmanlage funktioniert, Lenkrad ist dran. HA! Und alles in 30 (in Worten: Dreißig!!!) Minuten!

Werd jetzt essen gehn und überlegen, warum die elektrischen Fensterheber nicht mehr funktionieren.

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan