Mutantenscheiße

Heute morgen verlasse ich wie jeden Morgen frisch geduscht, gefönt, gestyled und motoviert mein trautes Heim, freue mich über das wunderbare Wetter und auf die kurze aber immer wieder schöne allmorgendliche Fahrt ins Büro mit meinem alpinweißen 3er BMW, der mich mit seinen Rückleuchten schon ungeduldig anstrahlt und es gar nicht erwarten kann, gemütlich warmgefahren zu werden.

Auf dem Kofferraum und dem Heckfenster fallen mir beim Näherkommen zwei handtellergroße, dunkel leuchtende Flecken auf. Mal wieder. Was soll’s – Vogelkacke ist auf einem Auto nach einer Nacht im Freien und unter einem Baum nichts Ungewöhnliches, wenn auch etwas lästig. Aber eigentlich nichts, was den Tag nachhaltig versauen kann. Jedenfalls nicht, solange es sich um gewöhnliche Vogelscheisse handelt. Aber das ist heute morgen nicht der Fall. Denn Volgescheisse hat bestenfalls 5-Markstück-groß und weiß oder grün zu sein, gegebenenfalls noch mit ein paar Nuancen braun oder orange. Je nach dem Speiseplan der das Zeug absondernden Flattermänner.

Nicht normal sind hingegen bierdeckelgroße Flecken in Schwarz-Lila-Perleffekt-Metallic, die sich beim näheren Hinsehen nicht nur auf der Heckscheibe befinden sondern dermaßen kumulativ über die komplette Fahrerseite meines vormals alpinweißen BMW verbreitet sind, dass ich den Türgriff nur noch mit einem Tempotaschentuch betätigen kann und von Sicht durch die Seitenscheiben keine Rede mehr ist. Ich überlege schnell, die Arbeit sausen zu lassen und stattdessen zu einem BMW-Treffen zu fahren, um mit dieser 3-Farb-Lackierung Neid und Aufsehen zu erregen („Boah – wie hasse das denn gemacht? Geil!“). Beschließe dann aber, doch besser in die Waschanlage zu fahren, da ich keine Zeit hab, das Zeug manuell runterzuspachteln. Ausserdem gehe ich davon aus, dass sich diese Mutantenscheisse – wie in den Alien-Filmen – bis zum Abend durch sämtliche Lackschichten samt Grundierung hindurchfrisst – wenn nicht noch weiter.

Was zum Teufel müssten Vögel fressen, um so einen Schiß zu kreieren? Kann es sich dabei überhaupt um normale Vögel handeln? Oder wer es vielleicht der dicke Nachbar mit dem fetten Mercedes, der immer so dämlich parkt, dass zwei Parklücken besetzt sind, was mich nicht daran hindert, meinen BMW in millimetergenauer Kleinarbeit in die halbe Parklücke hinter ihm zu rangieren und ihm damit morgens Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, weil er hinten nur noch 2 cm Platz zum rausrangieren hat? Zwar werden diese 2 cm hinten durch die 2,5 Meter Platz vorne egalisiert, aber schließlich geht es darum, durch die Besetzung von zwei Parkplätzen einen Status zu demonstrieren, für den man als S-Klasse-Fahrer schließlich genug Geld bezahlt. Vielleicht ist also genau dieser dicke Nachbar des nachts heimlich auf den Baum geklettert und hat seinen Darm auf meinem bis dahin noch alpinweissen BMW geleert, nachdem er einen Eimer „Dulux Schwarzmetallic – garantiert Tropffrei“ auf ex gesoffen hat?

Unwahrscheinlich. Aber so sieht es aus. Und genauso unwahrscheinlich ist es, dass gewöhnliche Vögel, die die Natur hervorgebracht hat, dermassen kreativ, flächenddeckend und perleffekt-kompatibel kacken können. Gibt es eigentlich noch Flugsaurier in Hamburg? Oder leiden alle Vögel in der Stadt an einer seltenen Kranhheit mit Darmverschluss, der sich nur einmal im Quartal und grundsätzlich nur über meinem BMW entlädt und dabei das ganze angesammelte Gelumpe der Saison auf meinem Lack verflüssigt?

Oder liegt es an den ganzen TDIs ohne Rußpartikelfilter? Vielleicht haben die Vögel Probleme, weil sie ständig hinter langsam durch die Stadt schleichenden TDIs hinterherfliegen, dabei die ganze Rußsauerei in die Lungen kriegen und diese dann am Abend auf meinem Wagen wieder entladen? Vom Farbton her könnte es stimmen. Wieso muss ich bzw. mein Auto als Rußpartikelfilter für TDIss herhalten? Der nächste TDI-Fahrer, den ich die Finger kriege bezahlt mir entweder die Autowäsche oder ich setze mich auf seine Motorhaube und entlade die Überreste der Bohnensuppe von heute Mittag in einer Farbpracht, die den bierdeckelgroßen Flecken auf meinem vormals alpinweißen BMW zumindest halbwegs entgegenkommt.

In der Waschanlage war es übrigens alles andere als lustig. Den Sprühfritzen am Eingang konnte ich nur mit einem zusätzlichen 5er dazu bewegen, seinen Strahl auf diese Sauerei zu lenken. Dafür konnte ich es mir nicht verkneifen, auf den Kommentar
„wie hamse das denn angestellt“
ganz lapidar zu antworten
„Tja… gute Verdauung ist der Garant für ein langes Leben“.
Da der Waschstraßenstartknopffritze wohl Angst hatte, dass seine herumbaumelnden Lammfellstreifen von den bierdeckelgroßen schwarz-lila-perleffekt-Mutantenscheisse-Flecken eliminiert oder verätzt werden kam ich um eine „Vollprogrammwäsche“ nicht herum, die mich dann nochmal 15 Euro gekostet hat.

Das einzig gute an der ganzen Aktion war, dass diese nervenden Hamburger Fahrradfahrer, die sich ganz besonders gerne direkt vor der Fahrertür aufbauen, wenn man die Frechheit besitzt, beim Ausfahren aus einer Kreuzung den heiligen Fahrradweg zu blockieren, weil man ganz gerne einsehen möchte, ob von rechts oder auch links Verkehr kommt, sich heute so verhalten haben, wie ich es mir wünsche: Mit einem schönen großen Bogen um meinen von links absolut nicht mehr alpinweißen BMW.

Trotzdem werde ich definitiv nie wieder unter diesem Baum parken. Obwohl – Vögel können doch auch im Flug scheissen. Das gibt sicherlich auch interessante Muster. Und: nie hat mein BMW soviel Aufsehen erregt wie heute. Woraus man schließen kann: Lieber sauber und unauffällig als vollgeschissen und aufseherregend. Oder andersrum, für die Schwanzersatz-Fraktion: Hamburger Vogelscheisse bringt mehr als ausgeräumte Endtöpfe, Vollverspoilerung und Schwarzlicht unterm Arsch.

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan

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