Archive for the ‘Neues vom schraubenden Akademiker ohne Plan’ Category

ISDN vs. Emaille-Plomben

Donnerstag, März 26th, 2009

Am Wochenende war ich den Kabelsalat im Haus endgültig leid, nachdem mein Vitaminsandwich (Toast mit Butter, Remoulade, Schinken, Remoulade, Käse, Spiegelei, Butter und einem vitaminreichen Salatblatt) den doppelten Rittberger, den ich dem freiflottierenden Telefonkabel zu verdanken hatte, nicht überlebte und stattdessen die Flucht an die Fensterscheibe antrat, an dem es sich verzweifelt festklammerte und dann mit einer sehr kreativen Fettspur abstürzte.

Eine ordentliche Kabellösung ohne Stolperfalle musste also her. Sprich: Eine Dosenverlängerung mit sauber hinter der Wand verlegten Kabeln.

Also den vorhandenen Krempel entkabelt, beim Abmontieren der Telefondose irgendwie gedanklich abgeschmiert weil an Keanu Reeves und Sandra Bullock gedacht und beide Telefondrähtchen sauber durchgezwickt (das rote… nein das rot-schwarze… nein doch lieber das rote zuerst).

Aber halb so wild – alles, was ab geht, geht auch wieder dran. Nur blöd, wenn man gerade keine Abisolierungszange, kein Schweizer Taschenmesser oder kein Feuerzeug zur Hand hat, um die Kabelenden freizulegen. Aber auch dieses Problem lässt sich mit gottgegebenen Mitteln lösen – schließlich hat uns die Evolution ein leistungsfähiges Gebiß beschert, mit dem sich nicht nur Vitaminsandwiches zerkleinern lassen, sondern auch Bierflaschen öffnen oder halt Kabelenden abisolieren. Und da ich gern Ressourcen spare, gleich beide Kabel auf einmal.

Wäre auch kein Problem gewesen, wenn diese blöden Kabel nicht genug Strom führen würden, um eine nicht ganz bombenfest gesicherte Backenzahnplombe zu sprengen und gleichzeitig genug Energie in der Kauleiste freizusetzen, um daraus einen 2-Meter-Sprung rückwärts (gegen den Fettfleck am Fenster) zu initiieren.

Merke: Auch kleine, unscheinbar aussehende Telefonkabel führen Strom. Genug Strom, um den Nachmittag nachhaltig zu versauen und einen neuen Zahnarzttermin notwendig zu machen. Das nächste Mal bestelle ich wieder analog!

Neopren auf der Arbeitsplatte

Mittwoch, August 20th, 2008

Endlich komme ich mal dazu, einen etwas ausführlicheren Bericht darüber zu schreiben, wie ich den tropfenden Wasserhahn in der Küche bekämpft habe. Vorab: Einfach war’s nicht. Und ich hab den Kampf auch nicht alleine gewonnen. Aber interessant war’s allemal:

Mittwochabend, 19 Uhr: Feierabend. Geschafft von einem harten Arbeitstag betrete ich mein trautes Heim und bemerkte schon beim ersten Blick in die Küche, dass das bisher stetige aber langsame Tropfen des Warmwasserhahns in der Küche im Lauf des Tages zu einem tröpfelnden Fließen übergegangen ist.

Da kein weibliches Wesen es länger als 10 Minuten in Hörweite dieses Tropfgeräuschs aushalten kann, ohne sich in diesem Zeitraum fröhlich in die Hose zu pinkeln, beschließe ich, das Problem aus der Welt zu schaffen und dieses perfide Foltergerät für Inkontinenzisten ein für allemal still zu legen. Und da mir die letzte „Ich wechsle mal eben die Dichtung-Aktion“ der ersten drei Januar-Wochen noch allzu gut in Erinnerung ist, bereite ich mich diesmal besser vor und zwänge mich in den extra für solche Notfälle bei ebay ersteigerten Neopren-Anzug, nachdem ich sämtliche Elektrogeräte gegenüber des betreffenden Wasserhahns entfernt und die dortigen Steckdosen bombenfest abgedichtet habe. Der komplette Handtuch-Vorrat unseres Haushaltes befindet sich griffbereit auf der Schwelle zum Flur ausgebreitet, die Telefonnummer der örtlichen Feuerwehr ist mit wasserfestem Edding auf die Schranktüren gemalt und der Erste-Hilfe-Kasten mit wasserdichtem Pflaster befindet sich im wasserfesten Rucksack, den ich meiner ErstBestenHälfte umgeschnallt habe.

19:30 Und los geht’s! Ich beschließe, erst einmal das Wasser abzudrehen. Kein Problem – direkt unter der Spüle befindet sich ein gut erreichbarer Wasserhahn. Nach kurzer Überlegung, welche der Muttern am Wasserhahn ich zuerst lösen soll entscheide ich mich großspurig für die Größte, setze den Maulschlüssel an und ziehe wie ein Ochse.

19:40 Ich ziehe immer noch, beschließe wieder einmal ein Probe-Krafttraining zu absolvieren und überlege, welche Kosten auf mich zukommen, wenn die komplette Armatur aus der Wand bricht.

19:45 Ich habe eine geniale Idee und versuche einfach mal, die Mutter anders herum zu drehen. Na bitte! Ist doch ganz einfach! Meine EBH gibt im Flur glucksende Geräusche von sich gibt, die ich durchaus als unterdrücktes Gelächter interpretieren würde, wenn ich nicht so sicher wäre, dass sie es aus lauter Stolz auf Ihren heimwerkenden Gatten nie wagen würde, ihn bei der Ausübung seiner ehelichen Pflichten auszulachen.

19:47 ALAAAAARM!!!! Wo kommt das Wasser her? Die Mutter ist lose und es spritzt fröhlich aus allen Seiten heraus. Ich drehe die Mutter fachmännisch wieder fest, untersuche den Wasserhahn unter der Spüle genauer und stelle fest, dass dieser offenbar zur gerade laufenden Waschmaschine führt, aber keinen Einfluss auf die Wasserversorgung der Küchenarmaturen hat.

19:50 Also wird eine Expedition in den Keller notwendig: Die Suche nach dem verlorenen Haupthahn. Im Neoprenanzug, mit aufgesetzter Taucherbrille auf dem Kopf und extradicker MacLite – Größe „Anal total“ – bewaffnet, steige ich vorsichtig in den Keller und taste mich dort an den Rohren entlang, die mir den Weg zum Haupthahn weisen. Eine Nachbarin, die just zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Wäschekorb im Kellerflur um die Ecke biegt, beginnt bei meinem Anblick hysterisch zu schreien. Ich schreie angesichts der mit Lockenwicklern garnierten und laut keifenden Schreckschraube ebenfalls, worauf hin diese so schnell die Flucht ergreift, wie es in Schreckschraubenpuschen möglich ist. Offenbar ist der spontane Anblick eines neoprenbeanzugten Nachbarn, der mit überdimensionaler Taschenlampe im Keller herumschleicht, furchterregender, als ich dachte.

19:55 Ich finde endlich einen großen Wasserhahn. Das muss er sein! Mit äußerster Kraftanstrengung gelingt es mir, das Ding zu zudrehen.

20:00 Zurück in der Wohnung teste ich erst einmal, ob noch Wasser durch die Bude fließt und drehe probeweise alle Hähne im Badezimmer auf: Nix passiert. Die Hähne sind trockener als Alice Schwarzer beim Megaman.

20:05 Ich drehe beide Muttern des Wasserhahns in der Küche ab und entferne die komplette Armatur. Die beiden Wasserrohre schauen mich bedrohlich aus der Wand an.

20:10 Ganz professionell und ohne größere Probleme wechsle ich die Dichtungen am Wasserhahn.

20:30 Zwanzig Minuten später… Sodala – jetzt noch alles zuschrauben und gut ist. Komischerweise passt die Armatur jetzt nicht mehr auf die Rohre, die mich hämisch durch die Wand anzugrinsen scheinen. Zwar bekomme ich eine Seite festgeschraubt, aber die Rohre scheinen sich ca. einen halben Zentimeter voneinander entfernt zu haben – es passt definitiv nur eins von zwei Wasserhahn-Enden.

20:40 Ich überlege, wie ich die schadenfroh aus der Wand guckenden Rohr-Enden zusammendrücken kann, erinnere mich, dass man die Dinger normalerweise drehen kann, schraube die Manschetten ab und stelle fest, dass irgendein überforderter Heimwerker hinter den Manschetten alles zugespachtelt hat, was meinen Plan zunichte macht, die Rohraufsätze einfach zu verdrehen.

20:45 Ich habe eine Idee!!! Ich werde das linke Rohr mit einem Besenstiel, den ich als Hebel zwischen Rohr und Arbeitsplatte klemme, nach rechts drücken. Ganz einfach!

20:50 Zwei am Küchenfenster vorbeilaufende alte Damen werden Zeuge einer bizarren Szenerie: Ein Mann im Neoprenanzug hockt rittlings mit rotem, verschwitzten Kopf auf einem Besenstiel auf der Küchenarbeitsplatte und stöhnt dabei laut, während eine Frau neben ihm mit den Worten „jaaa… noch ein Stück… gleich ist er drin!!!!“ versucht, irgendetwas irgendworein zu drücken.

20:55 Ich versuche, der Menschenmenge vor unserem Küchenfenster möglichst ungezwungen zuzuwinken, ohne die Hebelwirkung zu vernachlässigen.

21:00 Der Hahn sitzt. Jetzt müssen nur noch die Muttern festgezogen werden.

21:02 Meine EBH und ich wundern sich langsam über den Aufruhr und nachbarlichen Verkehr im Treppenhaus. Meine EBH öffnet die Haustür und wir beide vernehmen eine laute, ärgerliche Stimme aus dem Keller „irgendein Idiot hat den Haupthahn abgedreht!“ Mir schwant Übles…

21:03 Jetzt geht’s um die Wurst! Ich springe zurück auf die Arbeitsplatte und versuche, die Muttern so schnell wie möglich fest zu ziehen, ohne dabei allzu viel Wasser zu schlucken und die vorm Fenster rhythmisch applaudierende Menge zu beachten.

21:05 Die Muttern sind fest. Von draußen ertönt lauter Applaus und Jubelgeschrei. Voller Stolz schaue ich meine EBH an, genehmige mir ein Bier und versuche die immer noch vor meinem Fenster stehende und „Zugabe! Zugabe!“ skandierende Menschenmenge zu verscheuchen.

21:15 Ich wundere mich, woher das Rauschen kommt und erinnere mich vage an aufgedrehte Wasserhähne im Bad…

21:45 Das Bad ist wieder trocken. In der Küche tropft es.

21:50 Die Rufnummer des örtlichen Klempners liegt bereit. Morgen früh werd ich Verstärkung anfordern.
Der Rest ist schnell erzählt: Ein Handwerker kommt am nächsten Tag und braucht keine 20 Minuten, um eine weitere Dichtung am Drehdings der Armatur auszuwechseln und das Tropfen ein für allemal zu stoppen. Und ich weiß jetzt, wie es geht! Das nächste Mal mach ich es wieder allein. Denn selbst ist der Mann. Und wer ruft denn schon ’nen Klempner wegen eines tropfenden Wasserhahns?

Sonntag Morgen im Manta

Sonntag, August 3rd, 2008

Diese Geschichte habe ich vor einigen Jahren in einer Kneipe im Ruhrgebiet aufgeschnappt und sie damals stichpunktartig auf einem Bierdeckel festgehalten, der mir letztens im Rahmen einer längst überfälligen Aufräumaktion wieder in die Hände gelangt ist. Die Personen, die diese Geschichte damals erzählten, standen unter relativ solidem Alkoholeinfluß, sodass ich nicht weiß, ob sich das Geschehen wirklich so oder anders zugetragen hat. Aber das ist auch nicht so wichtig. Wichtiger ist das humoristische und pädagogische Potenzial, das sich zart besaiteten Gemütern und Falschparkaufschreibern vermutlich nicht erschließen wird. Dem Rest jedenfalls: Viel Spaß beim Lesen dieser Geschichte, die ich ungefähr so wiedergebe, wie ich sie gehört habe.

Tatort: Irgendwo im Herz des Ruhrgebiets. Zeitpunkt: Irgendwann Ende der 80er Jahre, Sonntag morgens.

6 Uhr. Schichtende! Hatte damals noch bei nem Zeitungsverlag gearbeitet, um mein Studium zu finanzieren und dabei ab und an mal Nachtschicht geschoben. Nach Feierabend also rein in meinen kleinen, unauffälligen, braven VW Polo Diesel. Der nach außen hin zwar unscheinbar aussah, aber dank der fachmännischen Tuning-Maßnahmen von Gmorki abging wie Sau.

6:10 Rein in den Polo, gestartet, und ab nach Hause. Wenig los auf den Straßen. Trotzdem besonnen gefahren, da todmüde und recht hohe Gefährdung durch die Rennleitung, die Sonntags morgens gerne spätheimkehrende Diskobesucher kontrolliert.

6:15 Ich rase mit vollen 40 km/h durch eine Tempo-30-Zone mit anliegender Schule. Zwar ist Sonntags morgens um diese Zeit weniger mit auf die Straße rennenden Teppichflitzern zu rechnen, jedoch umso mehr mit blitzenden Laubfröschen.

6:16 Von hinten nähert sich ein UPO (unbekanntes Proll-Objekt), das durch aufblitzende Scheinwerfer und orange Seitenleuchten seine Kommunikationsbereitschaft signalisiert und entfernte Ähnlichkeit mit einem Opel Manta B aufweist. Zwar sind die Embleme weggespachtelt, aber als alteingesessener Ruhrgebietler erkenne ich den Ruhrgebietsvolkswagen auch in dezent geänderter Version.

6:17 Ein erneuter Blick in den Rückspiegel lässt einen Brunftversuch erwarten, zumal auch eindeutig Brunftschreie in Form einer D&W-Hupe zu hören sind. Da ich kein Spielverderber bin und generell auch nix gegen einen Quickie am Sonntag morgen habe, signalisiere ich freudig meine Brunftbereitschaft durch einen beherzten Tritt auf die Bremse, der Mantaseits durch erneutes Aufblitzen der Scheinwerfer und weitere Brunftschreie beantwortet wird. Juchei, da steht einer freundlichen Vereinigung ja nichts mehr im Wege!

6:18 Doch obwohl ich mit knapp unter 30 km/h weiterschleiche, scheint mein Auspuff nicht lecker genug zu riechen. Na ja, Diesel halt… und wer hat schon Lust auf ne Mischung aus VW/Opel und dann noch Benziner/Diesel? Offensichtlich will sich das sich immer noch tönend und blitzende UPO hinter mir einen neuen Begattungspartner suchen und versucht, mich zu überholen. Was leider durch eine sich Fahrbahnmittig platzierte Verkehrsberuhigungsinsel verhindert wird. Den Verkehrsplanern sei Dank…

6:19 Eine rote Ampel nähert sich. Ich bringe meinen harmlos aussehenden Polo zum Stehen, das UPO nimmt hinter mir Platz. Wir beide signalisieren mit orangen Blinksignalen auf der linken Seite unsere Bereitschaft, die frische Bekanntschaft auf einer 4-spurigen Straße ohne Tempo-30-Einschränkung weiterzuführen. Vielleicht wird ja doch noch was draus…

6:20 Die Ampel zeigt „START“. Ich biege links ein und bewege mich sofort auf die linke Spur, was das UPO hinter mir mit freudigen Lichtblitzaktionen und lautem D&W-Lustgeschrei zur Kenntnis nimmt. Doch was passiert? Im Rückspiegel ist zu erkennen, dass das UPO sich jetzt offenbar entschieden hat, mir den Laufpaß zu geben, indem es rechterhand an mir vorbeirauschen will. Aber so schnell gebe ich nicht auf!!!

6:21 Ich gebe Vollgas. Mein geliebter Polo fletscht die Zähne und schießt vorwärts wie von der Tarantel gestochen. Das UPO neben mir ebenfalls. Ich freue mich auf das kurze Wiedersehen des ladenden LKW’s, der wie jeden Sonntag morgen ein Stück weiter die rechte Fahrspur blockiert.

6:22 Das UPO hat offenbar noch weniger Lust, den ladenden LKW als mich von hinten zu begatten und steigt im letzten entscheidenden Moment voll in die Bremse. Ich wittere erneute Chancen und winke ihm beim Vorbeifahren fröhlich zu.

6:23 Mein Signal scheint freudig-erregt aufgenommen worden zu sein! Von hinten nähert sich erneut das blitzende, brunftschreie ausstossende UPO. Gewarnt durch den LKW von vorhin traut es sich offenbar nicht mehr, nach Alternativen zu suchen sondern bleibt brav hinter mir, bis zur nächsten roten Ampel, an der es hinter mir hält. Und jetzt wird’s spannend!

6:25 Ich sehe im Außenspiegel, wie sich die Fahrertür des UPO’s öffnet. Zwei Plateauschuhe erscheinen (diese Bullshitdingens für Männlein und Weiblein zur Beseitigung wachstumsrelevanter Minderwertigkeitskomplexe… wie heissen die nochmal?), begleitet von einer Trainingshose, auf der so ca. alle Muster der Kulturen der Welt der letzten 2000 Jahre abgebildet sein sollen, an die oben bündig eine Lederjacke anschliesst (auf deren Rücken garantiert ein gefährlicher Drache oder auch ein ganz groß geschriebenes „DIESEL“ oder „VON MUTTI“ steht). Sehr erregendes Outfit! Mehr kann ich leider nicht erkennen.

Da ich gegen einen gepflegten Quickie auf der Straße zwar nichts habe, aber S/M nun wirklich nicht zu meinen besonderen Vorlieben zählt, drücke ich die Türnippel schnellstens nach unten und kurbel das Fenster hoch. Zwar lässt das Outfit der herannahenden Person vermuten, dass diese die komplette Tür mit einem lauten Brunftschrei einfach herausreisst, aber es ist die einzigste Sicherheitsmaßnahme, die mir in diesem Moment einfällt.

6:26 Eine behaarte, betätowierte Hand klopft energisch gegen mein Fenster. Ich schaue hoch und erblicke: Den König der Mantaletten!Offenbar eine nie zuvor gesehene Mischung aus Schwarzenegger (Körperbau), Bohlen (Niveau) und dem Salatblatt, was zwischen den Sitzen vor sich hinschimmelt (Intelligenz). Meine Lust auf einen Quickie wird immer geringer. Ich setze mein freundlichstes Akademiker-Gesicht auf und kurbel mit einem freundlichen Lächeln die Scheibe ein kleines Stück herunter.

6:27 Die alles andere als grazil aussehende Hand greift plöztlich ins Wageninnere und versucht, meinen Hals zu umfassen. Ganz ohne Vorspiel direkt ausse Puschen. Das geht mir jetzt doch etwas zu schnell. Da ich keine große Hoffnung mehr in eine Dekonfrontationstaktik mehr setze, reagiere ich reflexartig: Meine linke Hand dreht die Fensterkurbel mit aller Kraft nach oben, mein linker Fuß lässt die Kupplung knallen und der rechte gibt ordentlich Gas.

6:27 Ein älterer Anwohner, der sich gerade sein Fensterkissen auf die Fensterbank gelegt hat, um die Straße zu beobachten wird Zeuge einer sehr merkwürdigen, ja geradezu skurrilen Szenerie: Übers Kopfsteinpflaster brettert ein grüner VW Polo, an dessen Tür sich ein ludenmäßig gekleideter Orang-Utan festklammert, der sich mit Plateauschuhen (wie heissen die Dinger denn noch) einem Känguru gleich aber nicht halb so grazil in einer neuen olymischen Disziplin – dem motorunterstützten Mehrfachsprung – übt.

6:28 Ich fahre im ersten Gang, mit linker Hand die Fensterkurbel festhaltend, ärgere mich zum ersten Mal darüber, dass ich keine Automatik habe, bin gespannt auf die Kondition des hüpfenden Luden neben mir und beschließe vorsorglich, meinen Polo gleich am nächsten Tag zu verkaufen, um einem zukünftigen und an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeübten Mordversuch an meiner Person zu umgehen.

6:29 Wieder etwas mutig geworden (nach 500 m Hochleistungshüpfen sind wohl keine boxerischen Höchstleistungen mehr zu erwarten) lockere ich rechtzeitig vor der nächsten Ampel die Fensterkurbel etwas. Ein langgezogener Brunftschrei ertönt, ich höre ein lautes Poltern und der auf Plateauschuhen hüpfende Lude ist weg. Im Rückspiegel sehe ich, dass er auf der Mitte der Straße liegt und offentsichtlich eine Erholungspause braucht. Aber er bewegt sich noch! Ich überlege, den Rückwärtsgang einzulegen und die ganze Aktion zu wiederholen. Entscheide mich dann aber doch, nach Hause zu fahren, weil ich Hunger hab.

Tja… Leute… die Moral von der Geschicht: Gewalt bringt gar nix. Macht es lieber pädagogisch. Und Sport am Morgen ist nie verkehrt, oder?

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan (und ohne Plateauschuhe – wie heissen die Dinger noch????)

Beischlaf im Stau

Donnerstag, Juli 3rd, 2008

Ja moin, herrliches Wetter, was? So herrlich, dass ich es gestern gewagt habe, ein neues Lenkrad einzubauen. Raus sollte ein eingetragenes 32Riad mit Kitsch-Airbrush, das bei langer Betrachtung zu irreparablen Geschmacksverirrungen führt, die sich durch laute und spontane „Bacardi Rum“-Schreie vor allem bei geöffnetem Wagenfenster unangenehm bemerkbar machen. Rein sollte ein bei ebay erstandenes 36er Momo-Lenkrad. Zwar steh ich nicht auf LKW-Feeling, möchte es aber meiner ErstBesserenHälfte ermöglichen, während der Fahrt auf den Tachometer zu schauen, ohne sich den Hals zu verrenken oder unterm Lenkrad durchzukriechen – das dann erhebliche Schwierigkeiten beim Versuch, in den Rückspiegel zu schauen verursacht. Also Anleitung (die ich im BMW-Forum von freundlichen Zeitgenossen bekam) ausgedruckt, raus zum Auto und los gehts!

19:00 Batterie abgeklemmt – stand in der Bedienungsanleitung von MOMO. Da ich schon gewarnt wurde, dass ich mir das Lenkrad beim Abziehen in die Kauleiste rammen kann, wollte ich keine weiteren Risiken eines Stromschlags beim Versuch, das Hupkabel per Gebiss abzuisolieren riskieren.

19:10 Hupknopf vorsichtig entfernt. Problemlos geschafft. Vor lauter Stolz erstmal eine geraucht.

19:15 Beim Rauchen Schraube entdeckt. Zündschlüssel abgezogen, Lenkradverriegelung einrasten lassen und versucht, Schraube mit Knarre zu lösen.

19:30 Beschlossen, demnächst mal wieder Krafttraining zu machen.

19:40 Nassgeschwitzt ins Haus gerannt, noch mal nachgeprüft, wie rum ne Schraube aufzugehen hat. Bemerkt, dass richtigrum versucht. Fitness-Center-Werbung aus dem Papierkorb hervorgeholt und in die Ablage „Dringend“ gelegt.

19:45 Auf die Idee gekommen, den Kreuzschlüssel zu benutzen, mit dem man die Räder wechselt. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Gezogen wie Ochse.

19:50 Eine geraucht. Darüber sinniert, zu welcher Automarke ich wechsle, wenn die Lenkradstange oder sonst was abbricht.

19:55 Schraube gelöst. Laut geschrien vor Freude. Nachbarn an den Fenstern zugewinkt.

20:00 Am Lenkrad gerüttelt. Bemerkt, da tut sich nix. Überlegt. Eine geraucht. Lenkradschloss gelöst. Lenkrad bewegt. Schraube ganz gelöst. Lenkrad abgezogen. Intakte Kauleiste stolz im Rückspiegel betrachtet. Eine geraucht.

20:10 Neues Lenkrad auf die Lenkradstange gefummelt. Passt sogar! Schraube wieder draufgemacht, festgezogen und darüber sinniert, was man macht, wenn man auf der Landstrasse auf einmal bemerkt, dass man das Lenkrad lose in der Hand hält. Entschlossen, mir zu Weihnachten einen Drehmomentschlüssel zu wünschen. Bemerkt, dass es noch fester zuzuschrauben geht, wenn Lenkradschloss wieder drin.

20:20 Lenkrad fest. Vor Stolz gleich noch eine geraucht. Probeweise dran gedreht und bemerkt, dass sich die Vorderräder mitdrehen. Yeah, so soll es sein!

20:23 Gewundert, dass Tacho jetzt noch weniger sichtbar und Blinkerleuchte gar nicht mehr sichtbar bei normaler Sitzposition. Fahrersitz auf Stellung „Beischlaf im Stau“ gestellt und Problem erst mal gelöst.

20:30 Batterie wieder angeschlossen. Dabei schönen Funken erzeugt. Na ja, kommt ja schließlich Strom raus, wird schon stimmen.

20:31 Alarmanlage geht an. Hupe tönt aus vollem Rohr, alle Blinker leuchten. Nachbarn grinsen. Ich grinse auch, denn: Das Ding ging seit ich den Wagen habe noch nie! Gewundert, was die Alarmanlage mit dem Lenkrad zu tun hat. Überlegt, wie Alarmanlage auszustellen ist. Dran erinnert, dass ich beim Kauf einen Handgeber am Schlüsselbund hatte, der aber nicht funktionierte. Ins Haus gerannt, Handgeber gesucht und Alarmanlage laufen lassen (Batterie wieder abklemmen wollt ich nicht riskieren, nach dem Motto: Never touch a running system.) Handgeber gefunden, draufgedrückt, Alarmanlage aus. Dafür Nachbarn an. Egal. Gemerkt, dass auch die Zentralverriegelung mit dem Handgeber funktioniert. Ins Haus gerannt, schlafende Frau geweckt, zum Fenster gezerrt, Handgeber demonstriert. Kuss bekommen.

20:45 Werkzeug wieder verstaut. Auto abgeschlossen (mit Handgeber). Auto aufgeschlossen (mit Handgeber). Auto abgeschlossen (mit Handgeber). Auto aufgeschlossen (mit Handgeber)…

21:00 Reingesetzt und Probefahrt um den Block gemacht. Bemerkt, dass Lenkrad auf 13-Uhr-Stellung wenn geradeausfahrt. Überlege, heute Abend Stellung zu korrigieren und vorher zu beten, dass Alarmanlage auch bei korrekter Lenkradstellung noch funktioniert. Bemerkt, dass Lenkradstellung scheiße bzw. schwierig in Sitzeinstellung „Beischlaf“ zu fahren ist. Entschlossen, entweder Excenter zu besorgen oder Original BMW-Lenkrad.

Aber alles nicht so schlimm. Ich liebe das Auto jeden Tag mehr, weil immer mehr funktioniert. Die Nachbarn mich offensichtlich auch – was sich da unten auf der Straße abspielt, scheint besser als das Prime-Time-TV-Programm zu sein. Aber who cares – ich hab auch meinen Spaß. Und ihr beim Lesen hoffentlich auch.

Alarm im Lenkrad

Freitag, Juni 20th, 2008

Tja, ich muss Euch enttäuschen. Heute ist mein M-Tech II gekommen und ich bin dann noch mal „eben raus um schnell das Lenkrad zu wechseln“. Keine Ahnung, warum meine ErstBesteHälfte daraufhin ein Lachen mit Mühe unterdrückte, das Essen kalt stellte und schnell noch fünf mal die ZV-Fernbedienung betätigte, anschließend winkte und seufzend ins Wohnzimmer ging. Ging diesmal aber relativ schnell. Schon fast wie’n Profi:

19:00 Batterie abgeklemmt

19:02 Zündschlüssel ab, Lenkradschloss rein, Hupknopf vom Momo-Lenkrad ab, Knarre rein, Schraube gelockert, am Lenkrad gerüttelt (Kauleistenschutz!), Schraube ganz gelöst, Lenkradschloss gelöst, Lenkrad abgezogen.

19:05 Neues Lenkrad drauf. Schraube leicht draufgemacht. Versucht Auto anzumachen, um zu sehen, ob geradeaus fährt wenn Lenkrad geradeaus zeigt (ist am praktischsten so)

19:07 Daran erinnert, dass Batterie abgeklemmt und ohne Batterie nix losfahren

19:10 Batterie angeklemmt. Funken angeguckt. Alarmanlage ausgelöst. Mit Handgeber abgestellt. Bzw. versucht – keine Reaktion. Handgeber gedrückt wie n Funker im U-Boot das Morseteil. Nix.

19:12 Nachbarn freundlich zugewinkt. Batterie abgeklemmt. Batterie wieder angeklemmt. Alarmanlage ausgelöst. Handgeber betätigt, Alarm aus. Gewundert, eine geraucht und beschlossen, zu Weihnachten „Der kleine Elektroniker“-Baukasten zu wünschen.

19:14 Ins Auto gesetzt, angemacht, bisschen vorwärts und rückwärts gefahren und Gefühl bekommen, Lenkrad ist grade. Gefreut. Eine geraucht.

19:20 Lenkradschloss rein, Schraube fest, Prallschutz drauf. Im Kofferraum Abdeckung auf die Batterie, Krimskramsbox auf die Batterie, Kofferraumdeckel zu.

19:22 Ins Auto gesetzt, Zündschlüssen rein, gedreht, am Amaturenbrett blinken kurz Lichter, dann Totenstille. Nix passiert. Zündung an, Zündung aus – kein Lebenszeichen. Überlegt. Eine geraucht.

19:25 Kofferraum auf, Krimskramsbox raus, Batterie-Abdeckung ab, Batterie abgeklemmt, angeklemmt. Auto gestartet – kein Problem. Alarmanlage betätigt – kein Lebenszeichen. War ja klar, alles gleichzeitig kann wohl nicht funktionieren.

19:26 Batterie angeklemmt, abgeklemmt, angeklemmt, abgeklemmt, draufgehauen, rumgerüttelt, Alarmanlage wieder aktiviert, über das Hupen gefreut, den Nachbarn zugewinkt.

19:30 Vorsichtig alles zugebaut. Kofferaum zu. ZV funktioniert, Alarmanlage funktioniert, Lenkrad ist dran. HA! Und alles in 30 (in Worten: Dreißig!!!) Minuten!

Werd jetzt essen gehn und überlegen, warum die elektrischen Fensterheber nicht mehr funktionieren.

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan

Bremsenwechsel

Mittwoch, Juni 18th, 2008

Eigentlich bremse ich ja gar nicht gerne. Aber wenn, dann halt richtig. Und dazu braucht es – wie ich mittlerweile gelernt habe – Bremsbeläge, die noch einen Belag zum Bremsen haben und Bremsscheiben, deren Oberfläche sich glatter anfühlt als meine Rolling-Stones-Platten.

Mittlerweile weiß ich auch, dass Bremsbeläge ohne Belag in Verbindung mit feingerippten Bremsscheiben beim Bremsen unangenehme Geräusche verursachen. Das hört sich dann in etwa so wie ein über ein Metallgleis rutschendes weil blockierendes Eisenbahnwaggonrad an. Manchmal hört man es auch früher, aber dazu muss man mal ohne Musik fahren. Eigentlich sieht man es ja an der Bremsbelag-Kontrollleuchte auf dem Kombiinstrument. Die allerdings auch oft genug einfach so aufblinkt – vermutlich ein elektronischer Gruß an die Firma in Italien, die dieses Teil entworfen hat. Deshalb habe ich das Teil nie weiter ernst genommen.

Wie dem auch sei: Die Bremsen mussten gewechselt werden. Sowohl Bremsscheiben als auch Beläge. Und weil man so etwas natürlich nur in Begleitung eines erfahrenen Fachmannes machen sollte, damit man sich nach dem nächsten Bremsversuch auf der A1 nicht im Heck eines TDI-Vertreter-Kombis zwischen Reinigungsmitteln und Pornoheften wiederfindet, verschlug es mich wieder zu meinem e30 Mentor Dezi nach Lübeck (meine Nachbarn mögen mir verzeihen. Ich versprech Euch: Das nächste Mal wechsle ich die Dinger allein vor der Haustür, damit Ihr auch was davon habt).

12:00 Ich schleiche über die Autobahn Richtung Lübeck und überlege, ob sich die Bremsscheiben wohl wieder glattschleifen, wenn ich bei Tempo 200 ein paar mal ordentlich in die Eisen steige, verwerfe den Gedanken aber wieder weil mir einfällt, dass die Bremsen dann zu heiß zum Wechseln sind.

12:30 Ich gurke durch Lübeck, suche den Treffpunkt und wunder mich über die Gestik der Fußgänger an den Ampeln, die bei jedem meiner Bremsvorgänge zusammenzucken und mich mit einem Gesichtsausdruck anschauen, als würde ihnen grad ein Weisheitszahn gezogen. Ohne Betäubung, natürlich.

12:45 Ich erreiche das Ziel und rolle langsam auf den Hof. Um mein Eintreffen bemerkbar zu machen, trete ich ein paar Mal sanft auf die Bremse, winke den daraufhin ans Fenster eilenden Nachbarn und den mit Zahnschmerzgesicht auf dem Hof stehenden Dezi freundlich zu und freue mich über die aktive Begrüßung in Lübeck.

12:50 Das Auto steht. Erst mal eine rauchen. Die von mir bei Sandtler bestellten Bremsen werden kritisch beäugt und für gut befunden. Also ran ans Werk!

13:00 Suche und finde meinen Wagenheber im Kofferraum und löse ihn ohne größere Schwierigkeiten aus der dafür vorgesehenen Verschraubung. So macht das Spaß!

13:05 Beschließe, mich erst den vorderen Bremsen zuzuwenden. Klar, die sind ja auch wichtiger!

13:10 Dezi macht es sich im eigens für diese Schrauber-Veranstaltung besorgten Regiestuhl gemütlich und schaut interessiert zu, wie ich die richtige Stelle für das Ansetzen des Wagenhebers suche. Ich entscheide mich, klemme den Wagenheber unter das Auto und betätige die Wagenheberkurbel.

13:17 Das Auto hebt sich. Yeah. Gar nicht so schwer alles. Ich kurbel weiter und wundere mich darüber, dass der Wagenheber bei jeder Kurbeldrehung den schiefen Turm von PISA nachzuahmen scheint.

13:18 Mein geliebter e30 hat offenbar Angst vor der anstehenden Reparatur. Der Wagenheber kippt nach rechts weg und das Auto versucht offensichtlich, heimlich hintenrum zu fliehen.

13:20 So nicht! Ich bin ja nicht blöd! Bringe das Auto wieder in Stellung, ziehe diesmal die Handbremse und stelle den Automatik-Wählhebel auf „P“. Ätsch, gefangen!!!

13:25 Ich setze den Wagenheber erneut an und betätige die Kurbel. Wie immer dreimal falschrum, dann richtigrum. Überlege, warum nie Gebrauchsanweisung mit Richtungsanzeige auf Wagenhebern steht. Beschließe, Aufkleber mit Richtungsanzeige fürs nächste Mal zu basteln.

13:30 Das Rad ist oben. Überlege, wie ich jetzt die Radschrauben lösen kann. Dezi grinst. Gucke böse, fahre den Wagenheber wieder runter und suche den Kreuzschlüssel.

13:35 Kreuzschlüssel gefunden. Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube eins gelöst.

13:36 Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube zwei gelöst.

13:37 Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube drei gelöst.

13:38 Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube vier gelöst.

13:39 Eine geraucht. Wagen wieder hochgebockt, Radschrauben ganz rausgedreht, Rad abgenommen, Finger eingequetscht, Bremsanlage angeschaut, viele Schrauben gesehn, Regisseur Dezi gerufen, instruieren lassen.

13:45 Begonnen die beiden hinteren Schrauben oben und unten zu lösen, mit denen das Teil auf dem Bremssattel festgeschraubt ist, das verhindert, dass die Bremsklötze freiflottierend durch die Gegend wirbeln. Ach ja, und der Bremskolben und so hängt auch noch dran. Eigentlich fast alle wichtigen Sachen.
Erschwertes Arbeiten beim Schraubenlösen durch hintenrum-Platzierung der Schrauben, was andersrum-Denken erfordert. Zusätzliche Erschwernis durch mitdrehende Muttern, die ebenfalls hintenrum andersrum gegen das Mitdrehen gesichert werden müssen. Alles in allem eine klasse Übung für das erfassen räumlicher Intelligenz im Rahmen der PISA-Studie.

13:50 Beide Schrauben gelöst. Bremskontaktanzeige abgefummelt. Bremsklotz-Festhalte-Teil abgezogen. Den aus dem restlichen Bremssattel herausfallenden bremsbelagfreien Bremsklötzen hinterhergeschaut. Eine geraucht.

13:55 Noch mehr Schrauben hintenrum gelöst (dank Knarren-Vorsteinstellung durch Dezi kein größeres Problem mehr). Restlichen Bremssattel-Klumpatsch von der Bremsscheibe gelöst. Innensechskantschraube zwischen den Löchern für die Radschrauben gelöst. Gehofft dass Bremsscheibe dann von alleine abfällt.

14:00 Vergeblich gehofft. Gezogen, gerüttelt, getreten, gestoßen, gef….lucht. Nixda. Alles fest. Eine geraucht.

14:15 Mit kleinem Hammer Marke „Käfermörder“ vorsichtig von hinten gegen die Bremsscheibe geklopft.

14:20 Mit dem Käfermörder feste von hinten gegen die Bremsscheibe gehämmert. Eine geraucht.

14:25 Mit normalgroßem Marke Hammer Marke „Fingerkuppenquetscher“ vorsichtig von hinten gegen die Bremsscheibe geklopft.

14:30 Mit dem Fingerkuppenquetscher feste von hinten gegen die Bremsscheibe gehämmert. Eine geraucht.

14:35 Mit überdimensionalem Hammer Marke „Schwiegermuttertöter“ vorsichtig von hinten gegen die Bremsscheibe geklopft.

14:40 Mit dem „Schwiegermuttertöter“ ordentlich von hinten gegen die Bremsscheibe geballert. Bremsscheibe aufgegeben und tot zu Boden gefallen. Fuß auf Bremsscheibe gestellt, auf Schwiegermuttermörder gestützt und Dezi aufgefordert, Trophäenfoto zu schießen. Beschlossen, erledigte Bremsscheibe im Wohnzimmer über den Kamin zu hängen. Eine geraucht.

14:50 Neue Bremsscheibe ausgepackt, angebracht und festgeschraubt.

15:00 Neue Bremsklötze mit Belägen ausgepackt und versucht in die dafür vorgesehene Bremsklotzhalterung reinzulegen, aus der 5 Minuten vorher die alten Bremsklötze ohne Beläge herausgefallen sind. Festgestellt, dass generell alles leichter irgendwo raus als irgendwo rein geht. Beschlossen, einen philosophischen Aufsatz drüber zu schreiben. Bremsklötze gedreht, gewendet und schließlich rausbekommen, wierum sie worein passen.

15:10 Versucht, das obere Teil des Bremssattels auf die Halterung mit den neuen Bremsklötzen zu drücken. Festgestellt, dass so nicht geht; Bremsklötze zu breit. Vermutlich wegen Belägen. Kurz überlegt, Beläge abzuschleifen, damit Bremskolben passt. Idee wieder verworfen, weil oben beschriebenes Geräusch beim Bremsen zu nervig. Stattdessen Bremskolben ein wenig nach innen gedrückt und erneut versucht, das Teil auf die Bremssattelhalterung mit den Bremsklötzen mit Bremsbelägen zu bugsieren.

15:12 Geschafft! Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Alles wieder festgeschraubt. Rad wieder angeschraubt. Wagenheber runtergelassen. Eine geraucht. So einfach ist das!

15:15 Bremse vorne rechts in Angriff genommen. Kreuzschlüssel genommen. Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube eins gelöst.

15:16 Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube zwei gelöst.

15:17 Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube drei gelöst.

15:18 Wie immer die drei falschen Enden durchprobiert, bis passendes Ende gefunden. Passendes Ende angesetzt, überlegt, wierum richtigrum, gezogen wie Ochse. Schraube vier gelöst.

15:20 Rad abgenommen. Bremssattel schrauben gelöst. Bremssattel abgenommen. Bremsbeläge abrauschen sehen. Bremssattelhalterung abgeschraubt. Bremssscheibeninnensechskantschraube abgeschraubt. Bremsscheibe mit „Schwiegermuttermörder“ erledigt. Neue Bremsscheibe draufgemacht, festgeschraubt, neue Bremsbeläge reingefummelt. Dabei eine geraucht. Bremskolben reingedrückt, Bremssattel draufgefummelt, festgeschraubt, Rad festgeschraubt, Wagenheber runtergelassen, feddich. So einfach geht das, wenn Profis am Werk sind!!! Stolz wie Oskar eine geraucht.

16:00 – 18:00 Hinten ging’s dann in etwa genauso weiter. Mit dem Unterschied, dass das Zusammenbauen der Bremskomponenten ungefähr mit derselben geistigen und motorischen Anstrengung vergleichbar ist, einen Zauberwürfel im Vollsuff mit einer Hand und ohne hingucken richtigrum zu verzaubern. Man weiß, es passt irgendwie zusammen, aber nicht wie. Jedenfalls habe ich es in knapp 60 Minuten geschafft, die Dinger wieder zusammenzusetzen, ohne dabei einen Tobsuchtanfall zu bekommen.

18:00 Alles feddich. Alle Bremsscheiben und Beläge und Räder auch wieder dran. Eine geraucht. Reingesetzt und ab-geht-die Post: Probefahrt! Auffe Bremse getreten und das Gefühl gehabt, im besoffenen Zustand mit einem Bein in ein mit Wackelpudding gefülltes Swimming-Pool zu treten. Oder in den Hintern der korpulenten Nachbarin über mir…

18:10 Ermahnt worden, die Bremse in der nächsten Zeit nicht durch Vollbremsungen zu belasten. Gemerkt, dass Bremse nicht digital (an/aus) funktioniert, sondern mit dem Fuß dosiert werden kann. Gefreut und Rat beherzigt.

Fazit: Das teigige Bremsgefühl war nach ein paar hundert Kilometern weg. Mittlerweile bremst er wieder so, dass sich nach der letzten Vollbremsung die dritten Zähne meines Chefs im Armaturenbrett über dem Handschuhfach festbissen, während mein Chef selbst sich nach wie vor bewegungslos auf dem Beifahrersitz festklammerte. Na ja, Extradosis Kukident und die Sache ist gegessen. Alles kein Problem!

Warum die Bremsbelag-Kontrollleuchte immer noch leuchtet, weiß ich allerdings nicht. Aber das kriege ich auch noch hin! 😉

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan

Begnadete Körper

Dienstag, April 1st, 2008

Ja, moin zusammen. Mittlerweile die zweite Woche Urlaub hier. Und nachdem das Auto frisch poliert und geputzt war, besorgte ich mir heute Nebelscheinwerfer – in der Szene liebevoll „Neblis“ genannt – vom Schrott und begab mich bewaffnet mit Knarrenkasten, Kippen, Leukoplast und ner Flasche Cola nach draußen, um die Neblis einzubauen, die Handbrems-Kontrolleuchte neu zu justieren, eine Birne am Scheinwerfer vorne links auszuwechseln, die Automatik-Ganganzeige-Beleuchtung zu reparieren und – natürlich – die Nachbarn zu unterhalten. Letzteres funzte leider nicht so ganz, da alles doch leichter als erwartet vonstatten ging und halt keine Prime-Time war. Trotzdem will ich hier kurz zum Besten geben, wie es lief – auch als Dank an die freundlichen Tipps bezüglich der Handbrems-Kontrolleuchten-Justierung.

Part One: Neblis einbauen

12:02 Meine spezial-schraubender-Akademiker-ohne-Plan-Decke vors/unters Auto gelegt. Dauert ja immer und will mir ja nicht den Hintern abfrieren…

12:04 Versucht, Kopf unter die Frontschürze zu stecken, um die Technik zu kapieren. Festgestellt, dass entweder Kopf zu breit, Nase zu lang oder Auto zu tief. Eine geraucht.

12:06 Überlegt, einen Wagenheber zu benützen. An den Ex-Kindergarten-Kollegen gedacht, dem sein Wagen auf die Omme geknallt ist, weil der Wagenheber wegrutschte, als er grade drunter lag. Beschlossen, demnächst mal wieder ne Kerze für ihn anzuzünden. Ebenfalls beschlossen, lieber eingeklemmt unterm Auto zu zappeln als eingeklemmt und tot und nur im äußersten Notfall den Kopp unter die Frontschürze zu bugsieren.

12:08 Fühler ausgestreckt und Schrauben ertastet. Knarre rausgeholt, Schrauben gelöst. Nebli-Abdeckungen entfernt.

12:10 Nebli eins reingefummelt. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Gefreut. Mit den unteren Schrauben befestigt. Überlegt, wie ich an die oberen Schrauben rankomme. Motorhaube geöffnet, gemerkt dass es sorum auch nicht geht. Eine geraucht.

12:15 Wieder hingelegt, rumgetastet. Oberen Schrauben irgendwie von Hand reingedreht. Knarre geholt und versucht, an die oberen Schrauben anzusetzen. Dabei gewunden, gedreht und gezappelt.

12:17 Der Gruppe von Anwohnern, die vorbeikommen, stehen bleiben und besorgte Blicke auf mich werfen versichert, dass alles ok ist.

12:20 Schrauben nach endlos langem Gefummel fest bekommen. Beschlossen, mich demnächst bei Andre Hellers „begnadete Körper“ zu bewerben. Eine geraucht.

12:21 Hinters Steuer gesetzt, Zündung an, Licht an, Nebelschalter an, nach vorne, erwartungsvoll geguckt, traurig geguckt, wütend geguckt, nachdenklich geguckt. Weiter geraucht.

12:22 Auf die geniale Idee gekommen, dass da noch ein Kabel ran muss. Sonst is nix mit Licht.

12:23 Unters Auto gelegt und versucht, Kabel zu ertasten. Kabel gefunden, aber keins mit losem Ende. Überlegt, ob loses Ende durch festes Ziehen und Reißen provozieren soll. Darüber sinniert, was dann nicht mehr funktioniert. Beschlossen, Nebli noch mal raus zu holen.

12:35 Begnadete Körper Teil 2: Schrauben ertastet, irgendwie los bekommen, Nebli raus. Mit Taschenlampe Kabel gesucht. Gefunden, reingesteckt, Nebli rein, Nebli festgeschraubt. Dabei wie gewohnt gezappelt und verbogen. Überlegt, wie der Chiropraktiker meines Chefs noch mal heißt.

12:45 Ins Auto, Licht an, Nebli an, wieder raus, gefreut: Nebli an! Ist doch alles ganz einfach…

12:50 Zweite Nebli-Abdeckung entfernt. Kabel gesucht (man lernt ja dazu!), gefunden, reingestöpselt, Nebli reingefummelt. Schrauben unten festgemacht.

13:00 Versucht, Schrauben oben festzumachen. Problem dabei: Fahrerseite geht zur Straße. Keine Lust, unterm Auto festgeklemmt auch noch überfahren zu werden. Also noch mehr verbogen und gewunden. Aber irgendwie hat’s geklappt und die Dinger sind fest.

13:15 Rein ins Auto, Neblis an, raus, geguckt, gefreut, eine geraucht. So macht das Spaß!

13:20 Mal eben so ganz professionell und ohne größere Probleme Birne des Frontscheinwerfers gewechselt. Überlegt, dass da was nicht stimmen kann – ging alles zu glatt. Beschlossen, einfach abzuwarten und der Sache mal zu trauen.

Part Two: Handbrems-Kontrolleuchten-Justierung

Da die Handbrems-Kontrolleuchte ständig anging, wollte ich den Kontakt unter der Handbrems- Manschette neu justieren. Also:

13:30 Manschette abgefummelt. Zündung an. Kontakt gründlich untersucht. Zusammenhang zwischen Kontakt und Leuchte gesucht aber nicht gefunden. Überlegt und eine geraucht.

13:35 Auf die Idee gekommen, das Auto mal zu starten. Zusammenhang zwischen Kontakt und Leuchte entdeckt. Gefreut. Bemerkt, dass Schraube, die den Kontakt justiert, lose. Ebenfalls bemerkt, dass an die Schraube auf konventionellem Wege kein Rankommen ist. Überlegt.

13:40 Hinteren Teil der Mittelkonsole abgebaut. Ganz ohne Hilfe und Fragen im Forum!!! Yeah!!! Schraube festgeschraubt, alles wieder dran geschraubt, Auto an, Handbrems-Kontrolleuchte geht erst an wenn Hebel hoch. Ganz so wie es sein soll. Technik ist doch was geiles!!!

13:45 Automatik-Ganganzeigen-Beleuchtung neu reingefummelt. Mit Klebeband verstärkt.

13:50 Stolz wie Oskar eine geraucht. Rein ins Auto, Probefahrt gemacht und gewundert, warum die andere Bremskontrolleuchte neben der Handbrems-Kontrolleuchte jetzt ständig angeht.

Aber das krieg ich auch noch hin. Irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan

Mutantenscheiße

Freitag, Februar 15th, 2008

Heute morgen verlasse ich wie jeden Morgen frisch geduscht, gefönt, gestyled und motoviert mein trautes Heim, freue mich über das wunderbare Wetter und auf die kurze aber immer wieder schöne allmorgendliche Fahrt ins Büro mit meinem alpinweißen 3er BMW, der mich mit seinen Rückleuchten schon ungeduldig anstrahlt und es gar nicht erwarten kann, gemütlich warmgefahren zu werden.

Auf dem Kofferraum und dem Heckfenster fallen mir beim Näherkommen zwei handtellergroße, dunkel leuchtende Flecken auf. Mal wieder. Was soll’s – Vogelkacke ist auf einem Auto nach einer Nacht im Freien und unter einem Baum nichts Ungewöhnliches, wenn auch etwas lästig. Aber eigentlich nichts, was den Tag nachhaltig versauen kann. Jedenfalls nicht, solange es sich um gewöhnliche Vogelscheisse handelt. Aber das ist heute morgen nicht der Fall. Denn Volgescheisse hat bestenfalls 5-Markstück-groß und weiß oder grün zu sein, gegebenenfalls noch mit ein paar Nuancen braun oder orange. Je nach dem Speiseplan der das Zeug absondernden Flattermänner.

Nicht normal sind hingegen bierdeckelgroße Flecken in Schwarz-Lila-Perleffekt-Metallic, die sich beim näheren Hinsehen nicht nur auf der Heckscheibe befinden sondern dermaßen kumulativ über die komplette Fahrerseite meines vormals alpinweißen BMW verbreitet sind, dass ich den Türgriff nur noch mit einem Tempotaschentuch betätigen kann und von Sicht durch die Seitenscheiben keine Rede mehr ist. Ich überlege schnell, die Arbeit sausen zu lassen und stattdessen zu einem BMW-Treffen zu fahren, um mit dieser 3-Farb-Lackierung Neid und Aufsehen zu erregen („Boah – wie hasse das denn gemacht? Geil!“). Beschließe dann aber, doch besser in die Waschanlage zu fahren, da ich keine Zeit hab, das Zeug manuell runterzuspachteln. Ausserdem gehe ich davon aus, dass sich diese Mutantenscheisse – wie in den Alien-Filmen – bis zum Abend durch sämtliche Lackschichten samt Grundierung hindurchfrisst – wenn nicht noch weiter.

Was zum Teufel müssten Vögel fressen, um so einen Schiß zu kreieren? Kann es sich dabei überhaupt um normale Vögel handeln? Oder wer es vielleicht der dicke Nachbar mit dem fetten Mercedes, der immer so dämlich parkt, dass zwei Parklücken besetzt sind, was mich nicht daran hindert, meinen BMW in millimetergenauer Kleinarbeit in die halbe Parklücke hinter ihm zu rangieren und ihm damit morgens Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, weil er hinten nur noch 2 cm Platz zum rausrangieren hat? Zwar werden diese 2 cm hinten durch die 2,5 Meter Platz vorne egalisiert, aber schließlich geht es darum, durch die Besetzung von zwei Parkplätzen einen Status zu demonstrieren, für den man als S-Klasse-Fahrer schließlich genug Geld bezahlt. Vielleicht ist also genau dieser dicke Nachbar des nachts heimlich auf den Baum geklettert und hat seinen Darm auf meinem bis dahin noch alpinweissen BMW geleert, nachdem er einen Eimer „Dulux Schwarzmetallic – garantiert Tropffrei“ auf ex gesoffen hat?

Unwahrscheinlich. Aber so sieht es aus. Und genauso unwahrscheinlich ist es, dass gewöhnliche Vögel, die die Natur hervorgebracht hat, dermassen kreativ, flächenddeckend und perleffekt-kompatibel kacken können. Gibt es eigentlich noch Flugsaurier in Hamburg? Oder leiden alle Vögel in der Stadt an einer seltenen Kranhheit mit Darmverschluss, der sich nur einmal im Quartal und grundsätzlich nur über meinem BMW entlädt und dabei das ganze angesammelte Gelumpe der Saison auf meinem Lack verflüssigt?

Oder liegt es an den ganzen TDIs ohne Rußpartikelfilter? Vielleicht haben die Vögel Probleme, weil sie ständig hinter langsam durch die Stadt schleichenden TDIs hinterherfliegen, dabei die ganze Rußsauerei in die Lungen kriegen und diese dann am Abend auf meinem Wagen wieder entladen? Vom Farbton her könnte es stimmen. Wieso muss ich bzw. mein Auto als Rußpartikelfilter für TDIss herhalten? Der nächste TDI-Fahrer, den ich die Finger kriege bezahlt mir entweder die Autowäsche oder ich setze mich auf seine Motorhaube und entlade die Überreste der Bohnensuppe von heute Mittag in einer Farbpracht, die den bierdeckelgroßen Flecken auf meinem vormals alpinweißen BMW zumindest halbwegs entgegenkommt.

In der Waschanlage war es übrigens alles andere als lustig. Den Sprühfritzen am Eingang konnte ich nur mit einem zusätzlichen 5er dazu bewegen, seinen Strahl auf diese Sauerei zu lenken. Dafür konnte ich es mir nicht verkneifen, auf den Kommentar
„wie hamse das denn angestellt“
ganz lapidar zu antworten
„Tja… gute Verdauung ist der Garant für ein langes Leben“.
Da der Waschstraßenstartknopffritze wohl Angst hatte, dass seine herumbaumelnden Lammfellstreifen von den bierdeckelgroßen schwarz-lila-perleffekt-Mutantenscheisse-Flecken eliminiert oder verätzt werden kam ich um eine „Vollprogrammwäsche“ nicht herum, die mich dann nochmal 15 Euro gekostet hat.

Das einzig gute an der ganzen Aktion war, dass diese nervenden Hamburger Fahrradfahrer, die sich ganz besonders gerne direkt vor der Fahrertür aufbauen, wenn man die Frechheit besitzt, beim Ausfahren aus einer Kreuzung den heiligen Fahrradweg zu blockieren, weil man ganz gerne einsehen möchte, ob von rechts oder auch links Verkehr kommt, sich heute so verhalten haben, wie ich es mir wünsche: Mit einem schönen großen Bogen um meinen von links absolut nicht mehr alpinweißen BMW.

Trotzdem werde ich definitiv nie wieder unter diesem Baum parken. Obwohl – Vögel können doch auch im Flug scheissen. Das gibt sicherlich auch interessante Muster. Und: nie hat mein BMW soviel Aufsehen erregt wie heute. Woraus man schließen kann: Lieber sauber und unauffällig als vollgeschissen und aufseherregend. Oder andersrum, für die Schwanzersatz-Fraktion: Hamburger Vogelscheisse bringt mehr als ausgeräumte Endtöpfe, Vollverspoilerung und Schwarzlicht unterm Arsch.

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan

Körperteilpunkte

Mittwoch, September 19th, 2007

Eigentlich meide ich nach Möglichkeit Veranstaltungen, wo viele Menschen auf einem Haufen zusammen kommen. Denn dort trifft man zwangsläufig auf unterschiedlichste Typen der Gattung „Rudelmensch“, die allesamt eins gemeinsam haben: Einen Nervfaktor, der jeden halbwegs zivilisierten Menschen zwangsläufig zu einem sozialasketischen Wüsteneinsiedler mutieren lässt:

Beplastiktütete Tennissocken-in-Adventure-Sandalen-Träger mit Hemden, die das Tragen von Rettungswesten überflüssig machen, überparfürmierte NuttendieselträgerInnen ersten Ranges mit olfaktorischem Ordensband zweiter Klasse, dauersabbelnde Butterfahrtlinge in Anti-Streß-Schuhen mit hyperaktiven Rauhaardackeln, multikulturelle Spätpubertäre, die sich nur in der Lautstärke des Techno-Gedönses unterhalten können, das aus ihren tiefer gelegten 3er BMWs knallt und natürlich auch die gemeingefährlichen Ich-bin-behindert-deshalb-darf-ich-alles-Rollstuhlfahrer, die nicht nur mit den Mein-Kinderwagen-hat-immer-Vorfahrt-Ökomamas sondern auch mit den Mein-Krankenkassen-Fahrgestell-ist-meine-Nahkampfwaffe-Pflegefällen-in-spe in direkter Linie verwandt sind.

Solchen und ähnlichen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen sollte man konsequent aus dem Weg gehen, wenn immer es möglich ist. Es sei denn, man zählt selbst zu diesen Spezies und ist damit schmerzfrei für Penetrationen gesellschaftlicher Art. Und dieser Gedanke brachte mich auf eine Idee: Warum nicht einmal so tun als ob? Warum nicht einfach mal experimentieren, wie das Leben aus der Sicht eines Sozialgeschädigten ausschaut und sozusagen den Wallraff im Rudel inszenieren? Mit diesem Gedanken bin zur Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt gefahren und habe mich mal so richtig ausgetobt.

Gute Planung ist alles: Schon am Sonntagabend packe ich die benötigten Utensilien für mein Experiment in die Luis Vuitton Aktentasche, die mir ein redseliger schwarzafrikanischer Verkäufer im letzten Strandurlaub zu einem Supersonderpreis überlassen hat:
– meine selbstnachgemachte American Express Centurion Visitenkarte (wozu Schlecker Kundenkarten und Laserdrucker doch gut sein können…)
– meine garantiert echte Rolex Oyster (die ich für einen kleinen Aufpreis zur Luis Vuitton Tasche hinzu bekam)
– einen toten Fisch vom Hamburger Fischmarkt
– eine Tube Mayonnaise
– ein Wörterbuch Kisuaheli – Deutsch
– ein gebrauchtes Kondom
– eine gebrauchte Windel (luftdicht verpackt)
– eine sehr teuer anmutende Visitenkarte mit adligem Namen
– ein altes, aber funktionsfähiges Hörgerät vom Flohmarkt
– ein DIN-A-4-Pappschild mit der Aufschrift „Ich grüße meine Oma in Brechen!“
– eine kleine Flasche Nuttendiesel, das ich letztens auf dem Hamburger Fischmarkt für 1,95 Euro erstandne habe
– ein Feuerzeug in Form einer Handgranate
– eine Digicam mit besonders leistungsfähigem Blitz.

Zusammen mit meinen besten Designer-Anzug ist die IAA-Grundausstattung komplett. Ich hoffe, dass die Taschenkontrollen am Eingang nicht zu pedantisch sind und überlege mir vorm Einschlafen, wie ich dem Sicherheitsdienst diese Utensilien erklären kann, ohne in der Notaufnahme der Geschlossenen zu landen. Am überzeugendsten scheint letztendlich ein überraschtes „Oh – da hab ich wohl aus Versehen die Handtasche meiner Frau mitgenommen“ zu sein.

Beim Aufwachen am nächsten Morgen fühle ich eine Vorfreude, die mich an den Heiligabendmorgen meiner Kinderzeit erinnert. Motiviert springe ich aus dem Bett, pfeife unter der Dusche den Triumphmarsch aus AIDA, springe in meinen Anzug, schnappe meine Luis Vuitton-Tasche, begebe mich zum Bahnhof und besteige pünktlich um 6 Uhr im Hamburger Hauptbahnhof den ICE nach Frankfurt.

Eine halbe Stunde später ist es Zeit für den täglichen Morgenschiss. Ich wanke durch den Großraumwagenmittelgang und versuche quasi als Einstimmung auf den weiteren Tagesverlauf, möglichst vielen Reisenden auf die in den Gang hereinragenden Taschen, Zeitungen oder auch Gliedmaßen zu treten. Und freue mich über jeden im Gang sitzenden Sandalenträger.

Kurz danach ist das erste Geschäft des Tages erfolgreich abgeschlossen. Nachdem ich meinen Ausgang mit einer halben Rolle Toilettenpapier gründlich gesäubert und die Hälfte des dabei verwendeten Toilettenpapiers nicht in, sondern neben die Toilette geworfen habe, betätige die ICE Toilettenspülung und sehe interessiert zu, wie das Ergebnis meiner Sitzung samt 20 Metern Toilettenpapier mit orkanartiger Wucht durch ein endoskopisches Abflussrohr gesaugt wird. In einem Zeitungsartikel wurde letztens erklärt, dass diese Toilettenspülung im ICE durch den Luftdruck funktioniert, der sich unterhalb des ICE-Waggons bildet. Nicht erklärt wurde, wohin sich die Plörre eigentlich verteilt. Sicherheitshalber füge den Beruf „ICE-Waggon-von-unten-Putzer“ der Liste derjenigen Berufe hinzu, die ich auch unter Androhung von Foltermethoden wie Hartz IV niemals ergreifen werde.

Gegen halb Acht verspüre ich Hunger und verputze mein mitgebrachtes Knoblauchzwiebelbrötchen. Leider fehlt der Kaffee. Was nun? Doch einmal wieder 5 Euro für einen Pappbecher mit brauner Plörre ausgeben, der zumindest von der Temperatur her die Illusion von Kaffeegenuss erzeugen will? Lieber nicht. Stattdessen sammele ich 10 Minuten lang meinen Speichel, den ich dann mit einem herzhaften „GULP“ auf ex hinunterschlucke. Das ist billiger, gesünder und schmeckt besser. Und hat den positiven Nebeneffekt, dass mein Platznachbar seinen Sitzplatz verlässt und mir damit ausreichend Platz für ein kleines Nickerchen überlässt.

Rechtzeitig vor der Ankunft in Frankfurt wache ich auf. Im Hauptbahnhof ist reger Verkehr – Massen von Menschen hasten in allen Richtungen durch die Riesenhalle und versuchen dabei, nicht miteinander zusammen zu stoßen, ohne ihr Tempo zu verlangsamen und von der Luftlinienlinie zum Zielort abzuweichen. Die Gelegenheit für ein neues Spiel!

Ich begebe mich mitten ins Gewusel und versuche, den Weg zum S-Bahnhof nicht in Luftlinie, sondern dem genauen Gegenteil zurückzulegen: Einer Art alpinen Bahnhofshallenslalom, bei dem es natürlich keine roten und blauen Fähnchenstangen wie im Skisport gibt, sondern stattdessen Passanten in allen erdenklichen Farben, die zudem auch noch in ständiger Bewegung sind, beim Touchieren lustige Laute von sich geben und etwas länger als die blauen und roten Fähnchen auf der Skipiste brauchen, um sich wieder aufzurichten.

Im S-Bahnhof angekommen sinniere ich 10 Minuten lang vor einem großen, roten Kasten mit vielen lustigen Knöpfen und kryptischen Zeichen darüber, ob das Lösen einer Karte für den öffentlichen Personennahverkehr einfacher wird, wenn mal ein paar malinesische Verkehrsexperten nach Deutschland eingeflogen werden, um mit ihrem Know-how eine benutzerfreundliche Bedienung und Preisstruktur für den öffentlichen Nahverkehr zu konzipieren. Selbst eine Horde Schimpansen würde vermutlich etwas Intuitiveres hinbekommen als den Status quo.

Der S-Bahn-Bahnsteig ist voll mit Messebesuchern und sonstigen Humanlemmingen. Was bedeutet, dass die Organisation eines Sitzplatzes schwierig wird. Aber nicht unmöglich: Ich beobachte, wo genau die Türen der einfahrenden S-Bahnen am Bahnsteig zum Halten kommen. Nach nur zwei S-Bahnen habe ich den Dreh raus und stehe schließlich genau an der richtigen Stelle am Gleis: Die Tür öffnet sich unmittelbar vor meiner Nase. Da ich es nicht schaffe, mir einen Weg durch die nach draußen drängenden Menschen zu bahnen, nehme ich Vernunft an, bleibe direkt vor der Tür stehen und warte geduldig, bis sich die Ex-Besatzung meines Waggons an mir vorbeigezwängt hat, um dann für mich und meine Luis Vuitton-Tasche zwei optimale Sitzplätze zu ergattern.

Die Bahn fährt los. Ich überlege, ob im Mittelgang der gehbehinderte Epileptiker, die Hochschwangere mit dem kleinen Kind an der Hand oder das greise Ehepaar beim Beschleunigen und Bremsen der S-Bahn zuerst umfällt und bin froh, dass meine Tasche umfallsicher neben mir auf dem freien Platz liegt.

Leider fällt niemand um. Mir wird langweilig. Ich stehe auf, begebe ich mich in den nächsten vollen Waggon, halte dort nach der nächsten Station meinen Büchereiausweis in die Luft und brülle laut „FAHRKARTENKONTROLLE“. Als geübter Schwarzfahrer entdecke ich natürlich sofort die nervösesten Gesichter im Waggon und kassiere 20 Euro in bar vom ärmsten Schwein, das ich entdecken kann. Dafür erstatte ich natürlich ausnahmsweise keine Anzeige. Das Eintrittsgeld für die IAA ist damit im Sack.

10 Uhr: Ankunft Messegelände! Auf geht’s Richtung Messeeingang – natürlich will ich Erster sein. Zwar ist der Tag noch lang und die Schlangen sind noch lange nicht lang, aber hier geht’s ums Prinzip. Vor den Kartenschaltern sortiere ich mich in die längste Schlange ein. Dabei achte ich penibel darauf, einen Abstand von 5 cm zum Hinterkopf meines Vordermanns nicht zu überschreiten und den vorhin gegessenen Knoblauch nicht wieder vollständig auszuhusten.

10 Minuten später stehe ich direkt vorm Kartenschalter, frage die Dame hinter dem Plexiglas freundlich „Oleewa kraggi makusata akram IAA pallaga trabusko?“ und ernte Unverständnis. Ok, neuer Versuch: „Clatu Verata Nictu?“

Ein frisch gewimpertes Augenpaar schaut mich konsterniert an und signalisiert Unverständnis. Ich hole mein Kisuaheli-Wörterbuch aus der Tasche, blättere ein Weilchen darin herum und frage dann mit starkem und phantasievollem Akzent: „Entschuldigen Sie viel bitte, macht es Umstände dich zu geben ein Geschlechtsorgan in besondere Länge?“ Die Verwirrung ist vollkommen. Ich zeige zwinkernd auf eine IAA-Karte, die hinter der Plexiglasschreibe hängt, erwecke die Hirngeister meiner Gegenüberin wieder aus ihrem Schockzustand und schaffe es trotzdem, die Dame beim Rückgeld um 10 Euro zu bescheißen. Mit einem akzentfreien
„Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen wundervollen Tag!“ verabschiede ich mich und begebe mich zum Eingang.

Drehkreuz, Kartenkontrolle, Sicherheitskontrolle: Alles geht glatt; meine Tasche wird nur oberflächlich kontrolliert. Die Kaugummis werden mit einem warnenden Hinweis „aber nicht unter die Autositze kleben!“ bedacht, die Handgranate fällt nicht weiter auf. Und bin drin. Das war ja einfach!

Unauffällig schwimme ich mit dem Strom der sich durch die Gänge wogenden Massen, freue mich auf das kommende Vergnügen und beschließe, erst einmal eine Toilette aufzusuchen. Da es noch relativ früh am Vormittag ist, sind die Toiletten auch noch relativ sauber. Noch! Ich lasse die Pissoirs links liegen und betrete eine Sitztoilette, in die ich – natürlich im Stehen – ausgiebig uriniere – natürlich ohne die Klobrille hochzuklappen. Ich verteile noch etwas Klopapier im Raum und verlasse die Toilette möglichst rasch ohne die Spülung zu betätigen und natürlich auch ohne mir vorher die Hände zu waschen. Das lohnt sich in Anbetracht des ganzen anstehenden Händeschüttelns mit den Ausstellern sowieso nicht.

Stattdessen creme ich mir die Hände für die nächste Aktion gründlich mit Mayonnaise ein und betrete kurze Zeit später den bis zum Platzen gefüllten Daimler-Chrysler-Tempel. Dank einer Extraprise des mitgeführten Nuttendiesels werde ich im Gedränge nicht allzu sehr eingeengt und gelange relativ schnell zu den die Menschenmasse nach oben schaufelnden Rolltreppen, auf deren schwarzes Griffband ich die an meinen Händen klebende Mayonnaise möglichst unauffällig verteile.

Oben angekommen starte ich meinen ersten Rundgang, beobachte die mit Staubwedeln an den Ausstellungsfahrzeugen herumhantierenden Studenten, lasse meine fettigen Hände leidenschaftlich über den Neulack und die wunderschön gewienerten Autoscheiben gleiten und genieße die Haptik der edlen Materialien.

Um ein besonders schönes Cabriolet schart sich eine dichte Meute aufgeregter und überwiegend älterer Jägermeister mit Plauze und davor hängender Digicam. Ich drängle mich rücksichtslos ganz nach vorne und hantiere unbeholfen mit meiner Digicam herum, die dem fülligen Endfünfziger neben mir ganz zufällig aus kurzer Entfernung in die Augen blitzt. Ups, falsch herum! Ich entschuldige mich mit einem verlegenen Lächeln, das durch wilde Gesten mit den oberen Gliedmaßen entgegnet wird. Netter Mann!

Ein paar Meter weiter fällt mir eine aufgeregte und wild mit Kameras hantierende Menschentraube ins Auge, die um das Ausstellungshighlight schlechthin versammelt ist: einen wunderschönen, unerschwinglichen Mercedes mit Flügeltüren. Dieses edle Fahrzeug wird durch eine Absperrung von Berührungen geschützt. Eine lange Schlange Autobegeisterter Kleingeister wartet darauf, von einem bei ALDI ausrangierten Schürzen-Model durch die Absperrung gelassen zu werden, um sich für ein paar Sekunden in das unerschwingliche Fahrzeug hineinzusetzen. Das will ich auch!

Aber erst mal ist es Zeit für: Körperteilpunkte! Dabei gilt es, die eigenen Körperteile – welche auch immer – auf möglichst vielen Schnappschüssen der fotografierenden Meute zu platzieren. Für jedes dadurch versaute Bild gibt es imaginäre Körperteilpunkte: Je länger jemand darauf gewartet hat, endlich auf den Auslöser zu drücken, desto mehr Punkte gibt es, wenn die Aufnahme dann durch einen Arm oder eine Hand versaut wird. Einen Bonus gibt es für das Anrempeln im Moment der Bildaufnahme. Hat der Angestoßene ein gefährlich aussehendes Tattoo, wird der Bonus verdoppelt. Handelt es sich nicht um eine Digicam sondern eine analoge Kleinbildkamera, bei der jedes verschossene Bild Geld kostet, gibt es noch mal Extrapunkte.

Nach ca. 15 Minuten und einem neuen imaginären Highscore von 10.000 Körperteilpunkten verliere ich die Lust an der Sache und reihe mich in die Schlange der „unbedingt-einmal-in-einem-richtig-teuren-Auto-sitzen-müssen-IAA-linge“ ein.
Dank einer neuen Prise Nuttendiesel, zwei Knoblauchbrötchen und ein paar platziert gesetzten Blähungen bin ich relativ schnell am Ziel der Träume jedes Messebesuchers: Ich darf mich in das Mercedes-Benz-Messehighlight setzen, die Flügeltüren zumachen und in Ruhe alle Knöpfe und Schalter ausprobieren. Denn die Flügeltür ist zu und der Schalter, den ich zuerst gedrückt habe, ist für die Innenraumverriegelung zuständig. Mal schauen, wann die Meute draußen ungeduldig wird.

Fünf Minuten später spiele ich immer noch euphorisch mit den ganzen verschiedenen Schaltern und Knöpfen herum und betrachte die nervös werdende Flügeltürenplatzanweiserin heimlich aus den Augenwinkeln. Die ersten Leute in der Schlange werden ungeduldig und schauen demonstrativ auf ihre Uhr. Auch das Ex-Model schaut fragend zu mir ins Auto. Ich winke beruhigend zurück und signalisiere, dass ich gleich fertig bin.

Weitere fünf Minuten sind vergangen und die Meute hinter der Absperrung wird langsam unruhig. Die Flügeltürenplatzanweiserin versucht, die erregten Gemüter zu besänftigen, was mir endlich Gelegenheit gibt, den elektrischen Sitz ein bisschen nach vorne zu fahren, die mitgebrachte vollgeschissene Windel auszupacken und dahinter zu verstauen, den Sitz wieder zurückzufahren, die Tür zu öffnen, das Fahrzeug rasch zu verlassen, mich unauffällig hinter der Menschenmasse vor der Absperrung einzusortieren und die beiden mir folgenden Flügeltüreninsassen zu beobachten. Wie erwartet signalisiert sich der Gesichtsausdruck meiner Nachfolger nach anfänglicher Euphorie schnell nachhaltigen Ekel, nachdem die Türen geschlossen sind und die Sitzung wird nach kürzester Zeit beendet. Gut, dass es jetzt schneller voran geht.

Ich verlasse die Halle – natürlich nicht, ohne vorher den Ständer mit Autogrammkarten der Mercedes-Benz-Sportler zu plündern. Zwar weiß ich noch nicht, was ich mit 250 Autogrammkarten von Formel 1- und anderen Sportfahrern machen soll, aber entscheidend ist schließlich einzig und allein, dass keiner außer mir eine abbekommt.

Und ab geht’s zum Nobelmarkenärgern. Ich schwanke noch zwischen Ferrari, Aston Martin und Maybach, entscheide mich wegen des kürzeren Weges aber für Ferrari. Leider habe ich nicht damit gerechnet, dass der Ferrari-Stand offenbar Treffpunkt der 1. bundesdeutschen Kegelbrüder-mit-roten-Ferrarimützen-Klubtreffen ist. Ein Hindurchkommen zwischen dieser horrenden fleischigen Masse degenerierter, gröhlender, bierbäuchiger und weißsockiger 10-Zeller (für jeden Zylinder eine) ist hoffnungslos. Da ich mein Maschinengewehr nicht dabei habe und das Handgranatenfeuerzeug leider nur ein Feuerzeug ist, trete ich einen strategischen Rückzug an und beschließe, es vorerst einmal bei Aston Martin zu versuchen.

Aston Martin! Das einzig wirklich standesgemäße Fahrzeug für Bond, James Bond! Dank der eingebauten Maschinengewehre auch sinnvoll einsetzbar für Kegelbrüderklubtreffen auf der IAA oder deren Wohnmobile auf der linken Autobahnspur. Natürlich ist der komplette Aston Martin Stand Sperrgebiet. Der Eintritt erfolgt nur nach genauer Begutachtung des stellvertretenden Vorsitzenden des „Vereins für snobistische Lackaffen mit Kleiderbügel im Arsch e.V.“. Also gut, jetzt heißt es: Guten Eindruck machen und noch hochnäsiger und arroganter auftreten als der Gegenüber, dem man mit einem Blick zu verstehen gibt, dass man ihn noch nicht einmal als persönlichen Eisenbahnwaggon-von-unten-Putzer des privaten ICE-Luxuswaggons für einen Hungerlohn beschäftigen würde.

Dank des Einsatzes meiner speziellen IAA-Visitenkarte, die ich natürlich so überreiche, dass meine garantiert echte Rolex Oyster genauso wenig zu übersehen ist wie meine AmEx Centurion, klappt das auch hervorragend – und ich werde mit devotem Blick und leicht angedeutetem Buckel in das Heiligtum eingelassen. Die mir ausgestreckte Hand übersehe ich dabei natürlich. Weniger wegen des Standunterschiedes zwischen mir und dem gewöhnlichen Verkäufer als vielmehr wegen der Mayonnaise auf meiner Hand, die ich kurze Zeit später liebevoll auf dem edlen Holz im Innenraum des 150.000 Euro-Sportwagens verteile. In einem unbeobachteten Moment schaffe ich es auch noch, den toten Fisch im Handschuhfach zu verstauen und das gebrauchte Kondom zwischen die hinteren Notsitze zu klemmen.

Ich lasse mich dazu herab, mit einem weiteren Verkäufer – offensichtlich dem stellvertretenden Vorsitzen des „Vereins für bornierte Gesichtsausdrücke e.V.“ – ein Gespräch zu führen und beobachte dabei den Sabber auf seinen Lippen, als er einen Blick auf meine gut gefälschte AmEx erheischt. Kurze Zeit später sitze ich in der VIP-Lounge, werde von ausrangierten Bond-Girls aus den 60er Jahren mit exklusiven Getränken versorgt und lasse mir von meinem Gegenüber meinen ganz persönlichen Aston Martin konfigurieren. Natürlich geize ich nicht mit Details, schließlich spielt Geld keine Rolle.

Je näher der erwartete Vertragsabschluss rückt, desto triefender wird der Blick meines Gegenübers. Der ausliefernde Händler ist bereits ausgesucht, die Fahrzeugkonfiguration fast abgeschlossen. Fast, denn eine Sache habe ich noch vergessen: Die Anhängerkupplung! Die muss natürlich dabei, schließlich kann ich mein Pferd auf dem Weg zum Polo nicht im spärlich bemessenen Kofferraum transportieren.
Mein Gegenüber schaut mich bei diesem Hinweis mit dem Gesichtsausdruck eines Menschen an, dessen Gehirnzellen spontan von allen neuronalen Zwangsverflechtungen befreit worden sind und deshalb freiflottierend durch den Schädelraum wabern – auf der Suche nach einem bekannten Muster, nach dem sie sich neu orientieren können. Ich frage noch einmal freundlich nach der maximalen Stützlast der Anhängerkupplung für meinen Traumwagen und bemerke, dass die bornierten Gesichtszüge meines Gegenübers in sich zusammenfallen wie ein gerade aufgehender Brandteig im Ofen bei zu früh geöffneter Ofentüre. Da ich auf meine Frage keine Antwort mehr bekomme sondern nur eine Art entsetztes Japsen wahrnehme, verschwende ich hier keine weitere Zeit mehr und verlasse den Verein. Dann halt nicht! Auf zu BMW!

Ich betrete die hoffnungslos überfüllte BMW Halle. Horden extrem aufgeregter IAA-linge drängeln sich um extrem hässliche High-tech Autos und wollen alle Probesitzen. Nein, ich bin weder hypochondroid noch paranoid und auch nicht begeisterungsunfähig. Aber ich verstehe trotzdem nicht, warum man so scharf drauf sein soll, seinen Hintern in ein Fahrzeug zu schwenken, in dem vorher schätzungsweise 5.000 andere Ärsche vorher gesessen haben. Ist es ein so tolles Gefühl, Lenkräder, Schalter und Knöpfe anzufassen, die vorher millionenmal von irgendwelchen Grabbelfingern betatscht worden sind, die möglicherweise kurz vorher einen syphilitischen Pillemann in der Hand hielten oder den vollgepissten Spülknopf des Herrenpissoirs gedrückt haben, ohne sich danach die Pfoten abzuwischen?

Ist schon einmal jemand in den Sinn gekommen, dass ein IAA Ausstellungsfahrzeug die optimale Gelegenheit für einen Terroranschlag ist, der Deutschland in Nullkommanix von einer nicht unerheblichen Anzahl unterbelichteter Individuen befreien kann! Man braucht dafür auf einem solchen Lenkrad nur einen tödlichen Virus platzieren, der beim Berühren der Möpse des Titelmädchens in der aktuellen BILD Zeitung zum plötzlichen Herztod führt.

Mir fallen drei große Bildschirme ins Auge, auf welchen die BMW Messeneuheiten live von einem schleimigen Moderator präsentiert werden, der beim „Offenen Bürgersender Darmdorf“ nicht mehr erste Wahl war. Live! Film! Fernsehen! Kamera! Cool!!! Ich presche mich nach vorne und versuche, möglichst effektiv und lange im Blickfeld der Kamera zu sein, dieser möglichst aufgeregt zuzuwinken und dabei so pubertär und verlegen wie irgendwie möglich zu Grinsen.

Die Kamera versucht mir zu entkommen und schwenkt hoch. Darauf bin ich vorbereitet! Schnell hole ich mein Pappschild mit der Aufschrift „Ich grüße meine Oma in Brechen!“ aus meinem Rucksack und halte es in die Kamera. Der Moderator ist nicht mehr zu erkennen, die Kamera versucht hektisch, die Position zu wechseln und wenn ich eine Oma in Brechen hätte, würde die sich jetzt bestimmt höllisch freuen.

Der Moderator steigt von seiner Bühne und interviewt ein paar Besucher. Ich drängle mich zum Ort des Geschehens und schaffe es, mit einer Hand volle 20 Sekunden lang zwei Finger hinter seinem Kopf hochzuhalten. Mit der anderen winke ich weiterhin wie blöd und versuche währenddessen, andere Besucher, die auch winken wollen, wegzudrängeln.

Leider falle ich mit meinen Verhalten überhaupt nicht auf. So macht das keinen Spaß – da müssen härtere Kaliber her. Ich drängle mich rücksichtslos in die Menschenmenge und platziere mich unmittelbar vor die Nase derjenigen Gaffer, die sich ganz besonders auf Zehenspitzen stellen müssen, um etwas von der Präsentation mitzubekommen. Dank meiner 1 Meter 90 ein lustiges Unterfangen. Zwar habe ich dabei ständig verärgerten Atem im Nacken, aber ich sehe mehr! Aber auch dieses Spiel wird schnell langweilig.

Ich schlendere also zu den BMW Geländewagen. Vor der Fahrertür eines besonders exklusiven Exemplars des ultimativen Sportwagens für Oberförster und Großstadtcowboys steht die übliche Schlange tennisbesockter IAA-linge, die beim genauen Betrachten den Eindruck erweckt, dass hier die Bewerber für das Casting der neuen ZDF Vorabendserie „Der Förster vom Odenwald auf großer Butterfahrt“ Schlange stehen. Wie dem auch sei – die Beifahrerseite interessiert offenbar niemanden. Außer mir.

Ich besteige also das Fahrzeug, lächele dem offenbar im 15. Monat schwangeren Kugelfisch mit Hut neben mir zu, der es mit hochrotem Schwitzkopf endlich geschafft hat, den Fahrersitz zu erklimmen, öffne das Handschuhfach, lasse mein Handgranatenfeuerzeug dort hineingleiten, wünsche dem entsetzt glotzenden Fettgesicht neben mir noch viel Spaß mit dem Auto und mache mich schnellstens durch den Hinterausgang von dannen.

Schon 15:00 Uhr – Zeit für eine leckere Bratwurst mit Brötchen. Obwohl mein Magen knurrt, beherrsche ich mich und esse das Ding nicht, sondern stürze erneut ins Gedränge auf dem Weg zum VW-Stand. Dabei versuche ich, möglichst vielen Leuten vor mir Bratwurstfett auf die Schulter, die Frisur oder sonst wohin tropfen zu lassen.

Bei VW entdecke ich den natürlichen Feind aller Autobahnlinksfahrer: Den klassischen Vertreterkombi mit TDI. Jetzt wird’s ernst! Zuerst einmal besichtige ich den exklusiven Innenraum mit hellbeiger Nappalederinnenausstattung ausgiebig mit meiner tropfenden Bratwurst und teste dabei intensiv die Kinderverträglichkeit dieses Vertreterautos. Ich stelle fest, dass eine ausgewachsene Bratwurst in voller Pracht und Länge in den Aschenbecher passt, wenn man nur lange genug drückt.

Auf dem Fahrersitz spiele ich ein bisschen mit der Verstellautomatik herum, bis ich die Funktionsweise verstanden habe und warte, bis sich ein nicht gerade kleingewachsener Mittdreißiger auf den Rücksitz hinter mir zwängt, der vermutlich die Geräumigkeit der Rücksitzbank testen möchte. Ich fahre den Fahrersitz mit aller Wucht zurück, bis ich einen wütenden Schrei höre, blicke mich entschuldigend um, tue so, als ob ich mit der Sitzverstellung nicht klarkomme und lege die Rücksitzlehne ganz aus Versehen noch weiter nach hinten um. So ein Pech! Im Rückspiegel kann ich gut das langsam rot anlaufende Gesicht meines Hintermannes beobachten und mache dabei die interessante Erfahrung, dass sich durch ein Betätigen der Sitzhöhenverstellung der Sitz noch ein paar Zentimeter mehr nach hinten bewegen lässt. Von hinten ertönt ein unartikuliertes Japsen. Ich entdecke das Navigationssystem und teste ausgiebig sämtliche Funktionen.

Eine Viertelstunde später entscheide ich, dass ich mir keinen VW Passat kaufen werde. Vor allem deshalb, weil mir die Sitzverstellung einfach nicht einfach genug konstruiert ist. Also verlasse das Fahrzeug wieder, winke dem immer noch mit hochroter Gesichtsfarbe wild gestikulierenden Fondpassagier fröhlich zu und tauche gutgelaunt im Gedränge unter. Mal sehen, was ich bei Audi anstellen kann.

Dort stehe ich schließlich vor meinem letzten Opfer: Einem bis unter die Dachkante mit High-tech vollgespickten Audi A8. Ich warte geduldig bis sich die obligatorische „Ich-will-auch-mal-in-einem-Auto-sitzen-dessen-Anzahlung-ich-mir-noch-nicht-mal-leisten-kann“-Schlange aufgelöst hat und nehme in der exklusiven Nobelkarosse platz. Auf Anhieb finde ich eine kleine Abdeckung im Armaturenbrett, die sich problemlos heraushebeln lässt, lasse das eingeschaltete und deshalb laut pfeifende Hörgerät vom Flohmarkt dort hineinfallen, schließe die Abdeckung wieder und nehme mit der neben dem Auto stehenden Audilette Kontakt auf.

Die Dame nimmt auf dem Beifahrersitz platz. Ich frage sie, woher denn der Pfeifton herkommt, den ich als äußerst störend empfinde, mache es mir bequem und schaue zu, wie sich die ratlose Dame durch sämtliche Menüs des multimedialen Bedienungssystems quält.

In den folgenden 20 Minuten genieße ich die elektrische Sitzmassage und stelle fest, dass das multimediale Bedienungssystem umfangreicher ist, als ich dachte. Während die Damen neben mir immer noch kämpft, murmele ich etwas von „schlechter Verarbeitung“ und mache einen kleinen Spaziergang durch die Ausstellungshalle.

Eine Viertelstunde später sitzt im pfeifenden Audi A8 neben der Audilette noch ein Audiletter mit einer Bedienungsanleitung, die vom Umfang her an die aktuelle Kurzausgabe des Brockhaus erinnert. Ich drehe eine weitere Runde.

Weitere 20 Minuten später ist rund um den pfeifenden Audi ein Absperrungsband gezogen. Im Auto sitzen 4 Personen mit Handbüchern, die wild gestikulieren. Ich hole mir etwas zu trinken.

Zurück vom Bierstand bemerke ich, dass zwei der vorhin noch im Audi sitzenden Personen mit Handbüchern durch Bundesgrenzschutz-Beamte ersetzt worden sind. Das wird bestimmt noch lustig hier… die Batterien halten nämlich knapp eine Woche. Ich überlege, ob das Auto total auseinander genommen werden muss oder gleich auf dem Messeparkplatz gesprengt wird und mache mich auf den Weg nach Hause, weil ich meinen Zug nicht verpassen will.

Ohne größere Zwischenfälle erreiche ich den Ausgang, begebe mich zur S-Bahn-Haltestelle, erdrängle mir mit meinen Ellenbogen einen Sitzplatz gegen ein paar kleingeistige Rentner, besteige eine halbe Stunde später meinen ICE, in dem ich die Sitzplatzreservierungsschilder so umtausche, dass in der ersten Stunde der an für sich langweiligen Bahnfahrt für kurzweilige Unterhaltung in Form sich heftig um die Sitzgelegenheiten streitenden Reisenden gesorgt ist und schaffe es auch diesmal, der hinter mir sitzenden Person ihren Kaffee durch ein heftiges Verstellen des Sitzmechanismus im richtigen Moment auf die Klamotten zu kippen.

Knappe vier Stunden später erreicht der Zug den Zielbahnhof. Ich nehme mir ein Taxi, weise den Taxifahrer während der Fahrt eindringlich auf rote Ampeln, zu überholende Fahrzeuge, Zebrastreifen, optimale Fahrtspurenwechsel und die richtige Schaltweise hin und torpediere die Erleichterung im Gesicht des Chauffeurs bei der Ankunft am Zielort gleich wieder dadurch, dass ich mit freundlichem Grinsen einen 500 Euro Schein hinhalte.

Insgesamt ein gelungenes Experiment. Das Leben ist gar nicht so schwer – man muss sich nur auf der richtigen Seite befinden.

Mailänder Domlager

Sonntag, Juli 15th, 2007

Urlaub schon wieder vorbei – viel zu schnell. Eine Woche Sonne, Wasser (Luganer See), gutes Essen und alles, was das Herz begehrt. Mein geliebter BMW hat sich wacker geschlagen. Die 1100km von HH nach Lugano wurden im gemütlichen Reisetempo von 130-140km abgespult, was zu einem Verbrauch von (gemessenen!!!) 8,5 l führte – trotz teils bergiger Strecke! Hab bei 610km getankt weil ich dachte, die Tankanzeige spinnt – aber es waren noch knappe 6 Liter im Tank. Die Rückfahrt war mit 9 Litern etwas verbrauchsintensiver, allerdings inklusive 2-3 Stunden Stau und 300km Bleifuss. Und Ölverbrauch: Wie immer Null.

Zum Verhängnis wurden mir allerdings die schlechten Straßen in Mailand. Kurz vorm Dom ein lautes Klappern von hinten rechts – Domlager hin, Dämpfer knallt durch.

Erstmal ADAC angerufen – schließlich will man ja auch was von der Mitgliedschaft dort haben: Kein Wagen frei wegen dem Unwetter am Gardasee. Also auf eigene Faust angefangen, zu organisieren (gibt es für das Wort „organisieren“ eigentlich ein italienisches Pendant?)

Taxifahrer 1: Kein Plan, wo Werkstatt. Taxifahrer 2 ebenso. Auch ob und wo es nen BMW-Händler gibt: Null Idee. Taxifahrer 3 hat gottseidank nen Schwager der nen Freund hat, dessen Bruder jemanden kennt, der ne Werkstatt hat. Juchei!

Also mit kaputtem Domlager hinter dem Taxifahrer her – quer durch Mailand. Er dann irgendwo geklingelt, ein Typ im Blaumann kommt raus, guckt, weiss Bescheid, kein Problem, einfach folgen!

Also mit immer noch kaputtem Domlager hinter dem Typ im Blaumann her – quer durch Mailand. Bis zu einer Werkstatt, wo der Meister (falls es in Italy sowas gibt) aber weder Ahnung noch Lust hat und mir immerhin erklärt, wo BMW ist.

Also mit immer noch kaputtem Domlager der Wegbeschreibung nach – quer durch Mailand. Stehe irgendwann vor einem undefinierbaren Gebäude mit nem BMW-Zeichen dran, das abgeschlossen ist. Ein freundlicher BMW-Fahrer klärt mich auf, dass es hier keine Reparaturen oder BMW’s gibt und mir eine neue Wegbeschreibung mit.

Also mit immer noch kaputtem Domlager der neuen Wegbeschreibung entlang – quer durch Mailand. Dort, wo eigentlich BMW sein sollte, ist alles mögliche: Supermärkte, Puffs, Ristorantes – aber kein BMW. Nach längerem Rumgurken finde ich ne FIAT-Werkstatt. Immerhin AUTO. Und bekomme eine schöne Wegbeschreibung zu BMW.

Also mit immer noch kaputtem Domlager der neuen Wegbeschreibung entlang – quer durch Mailand. Und finde schliesslich den örtlichen authorisierten originalen BMW-Händler. Ca. 10 Fußminuten von der Stelle entfernt, wo das Domlager sich verabschiedete. Leider wars dann schon zu spät für ne sofortige Reparatur (ich war erst um 17:00 Uhr dort, und es wird nur von 9:30 bis 12:30 und von 15:30 bis 18:00 gearbeitet).

Also Autochen dort stehen gelassen, kleines Hotel gesucht und den Mailänder Dom angeschaut.

Am nächsten Tag um 12 Uhr wieder zu BMW und jetzt mal was erfreuliches: Beide Domlager gewechselt, nebenbei noch Blinker repariert und alles für 70 Euro. Akzeptabel, oder? Weniger toll: Vermutlich wegen der Hitze (oder göttlicher Fügung) war am vorderen linken Kotflügel die Umbördelung an einem Stück nach aussen gesprungen. Der BMW-Meister sieht es im Vorübergehen, holt nen Hammer, und bevor ich kapiere, was eigentlich Sache ist, hämmert er die umgesprungene Stelle wieder rein, grinst mich an und sacht irgendwas von „no problemo!“. Klar, dass dort jetzt der Lack abgesprungen ist. Leider war ich nicht so geistesgegenwärtig, ihm den Hammer zu entnehmen und mit selbigem und ebenfalls „no problemo!“ damit auf seine Birne einzuschlagen. Na ja, ich liebe Italien trotzdem. Autofahren macht dort richtig Spass, die Leute sind nicht so stur. Nächstes Jahr fahren wir wieder.

Greetz vom schraubenden Akademiker ohne Plan